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Mein erstes Sommerfest

ein Beitrag von Klaus Herder

Frauen mit Cowboyhüten besetzen spontan eine Straße; Senioren-Gruppen plündern Kuchen- und Salatbuffets; Kinder freuen sich über einstürzende Neubauten – es ist mal wieder Sommerfest-Zeit im Pastoratsgarten. Und ich bin das erste Mal dabei.

Eigentlich darf man den Kirchenleuten einen ganz guten Draht zur obersten Himmelsleitung unterstellen, doch der muss an diesem Samstag etwas gestört gewesen sein. Oder wie sonst lässt sich erklären, dass in den Wochen vor dem 23. Juni und auch danach in Eddelak eitel Dauer-Sonnenschein herrschte, nur ausgerechnet am Sommerfesttag der Wetterverantwortliche einen nur unterdurchschnittlichen Job machte? Vielleicht beherzigte Petrus aber auch nur das alte Loriot-Motto „Man muss ja auch an die Landwirtschaft denken“ und öffnete in unregelmäßigen Abständen die Himmelsschleusen. Nach Auskunft von Sommerfest-Profis hat das aber schon eine gewisse Tradition und war für gestandene Eddelaker noch nie ein Grund, der bereits seit 1982 (!) veranstalteten Sommersause fern zu bleiben.

Wie auch immer: Bei meiner Ankunft im Pastoratsgarten schien dann doch mal ausnahmsweise die Sonne, was die Damen der Greenhorn-Dancers spontan dazu veranlasste, ihre Line Dance-Vorführung vom Festzelt auf die Straße „Um de Möhl“ zu verlegen. Während die cowboybehüteten Damen in Sachen Gruppentanz mal wieder alles gaben und ihre Musikauswahl („Wir haben hier beides: Country und Western“) für zahlreiche wippende Füße sorgte, schwante mir als Sommerfest-Neuling die erste überraschende Erkenntnis: Hoppla, hier ist ja bereits um 15 Uhr das halbe Dorf vor Ort! Diverse Feuerwehrkameraden, zahlreiche Sangesbrüder der Liedertafel, die Gastwirtin des Vertrauens, einige meiner Nachbarn und jede Menge anderer Bekannter amüsierten sich schon prächtig und bestätigten meine in 20 Jahren als Zugezogener zur Erkenntnis gewordene Vermutung, dass Eddelak eine ausgesprochen muntere (Kirchen-)Gemeinde ist.

Kirchen-Sommerfest – das hatte in meiner von der Eddelaker Realität noch unbeeinflussten Vorurteils-Welt immer etwas leicht Trutschiges: gute Menschen, die es ganz doll gut meinen und vor lauter Gutsein eine – vorsichtig formuliert – etwas undynamische Veranstaltung auf die Beine stellen. Das wirkliche Leben in Eddelak: Jede Menge herumtobende Kinder, die einen Heidenspaß (politisch korrekte Wortwahl?) daran haben, frisch aufgestapelte Holztürme zum Einsturz zu bringen oder schminktechnisch maximal tief in den Farbtopf zu langen. Daneben Gruppen von gut gelaunten Senioren, die alle Ernährungstipps ignorierend am Kuchen- und/oder Salatbuffet ganze Arbeit leisten und auch keinerlei Probleme damit haben, das kulinarische Programm mit dem einen oder anderen Bierchen oder Weinchen zu krönen. Dazu der aus Veganersicht totale Supergau am Erbsensuppenkessel und Schwenkgrill.
Herrlich – Menschen, die den Sommer genießen möchten und das tun, was man viel öfter tun sollte: sich einfach im Kreise anderer netter Menschen wohl fühlen.

Pastorin Karakulin (rechts) stellt die neue Doppelspitze des Sommerfest-Teams vor: Katja Döhren und Ingo Mügge.

Und doch hat die ganze Veranstaltung nichts von einem beliebigen Volksfest-Rummel. Irgendwie geht es familiärer, rücksichtsvoller und menschenfreundlicher zu. So, als ob jeder Besucher weiß, welch Planungs- und Organisationsaufwand hinter der ganzen Sache steckt und die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer zu schätzen weiß. Kurz gesagt: Respekt. Und Menschenliebe. Diese Kombination muss es wohl sein, die für die tolle Atmosphäre im Pastoratsgarten sorgt. Und wenn man dann beim nächsten Regenschauer gemeinsam unterm Erbsensuppen-Besteckpavillon steht und klönt oder in trauter Runde in einem der beiden Zelte den lieben Gott im besten Sinne einen guten Mann sein lässt – ja dann dürfte auch einem Eher-selten-in-die-Kirche-Geher wie mir klar werden, was Kirchengemeinschaft ausmachen kann. Zugegeben: Zum gemeinsamen abendlichen Fußball-Gucken im Pastorat fehlte mir dann doch die Energie. Und den Freiluft-Gottesdienst am nächsten Morgen habe ich aus unerfindlichen Gründen (hüstel...) auch verpasst. Aber ich gelobe Besserung! Auf das Sommerfest 2019 freut sich schon jetzt

Klaus Herder

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