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Kindermusical 2019: David & Goliat

Steinewerfer und Hackfleisch-Exzesse

 

O tempora, o mores! Oder wie der Nicht-Lateiner sagt: Was für Zeiten, was für Sitten! Die massive Verwunderung hat einen Grund; denn was sich Mitte Oktober 2019 in unserer Gemeinde abspielte, hat womöglich das Zeug zu einem handfesten Skandal. Wir fassen zusammen: Eine religiöse Gruppierung lockte Kinder in ein Trainingscamp, um ihnen dort zu zeigen, wie ein behinderter Erwachsener als Reaktion auf eine vermeintliche Beleidigung mit archaischen Mitteln umgebracht wird. Soweit zu den knallharten Fakten.

Und nun zum Kindermusical „David & Goliat“, für das vom 14. bis zum 17. Oktober kräftig geübt und gebastelt wurde, und das am 20. Oktober in der sehr gut gefüllten St. Marienkirche zur Aufführung kam. Doch der Reihe nach: Montag, 10.30 Uhr, Beginn der Übungswoche. 25 Mädchen und 13 Jungs lauschen im Gemeindehaus den einleitenden Worten der Gemeindepädagogin und Kindermusical-Zeremonienmeisterin Marlene Tiessen. Hier und jetzt beginnen Musical-Karrieren, denn nun werden die Rollen vergeben. „Hanna macht Goliat, Bella macht ’nen Diener!“ Marlene Tiessen bringt mit sehr klaren Ansagen Ordnung ins Bewerber-Chaos. Keine ganz leichte Aufgabe, wenn eigentlich fast jede und jeder mindestens zwei (Haupt-)Rollen gleichzeitig spielen möchte. Nur gut, dass unter anderem auch noch drei Schafe, ein König, diverse Soldaten, jede Menge Brüder und natürlich Steinewerfer David zu besetzen sind. Die Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren haben neben den Solisten- und Schauspieler-Jobs in den kommenden vier Tagen aber auch noch viele weitere Aufgaben zu stemmen. Da müssen mit Hilfe von Eltern und anderen freiwilligen Helfern Kulissen gebaut und Kostüme geschneidert werden. Die (Ton-)Technik verlangt nach kundiger Regler-Hand, und natürlich gehören zu einem anständigen Musical auch Tänzer und ein Chor. In atemberaubender Geschwindigkeit, vor der jeder Meeting- und Arbeitsgruppen-geschädigte Erwachsene nur den Hut ziehen kann, finden die kleinen Musical-Macher in vier Workshops zusammen, beziehen getrennte Räume im Gemeindehaus und machen sich schon mal mit den Gegebenheiten in der noch bühnenfreien Kirche vertraut.

Zuvor steht aber noch für alle die erste Chorprobe auf dem Programm. Und die überrascht den Chronisten der Ereignisse gewaltig; denn nahezu alle Kinder singen ab dem ersten Lied begeistert und vor allem auswendig mit. Wie das? Vorbereitung ist alles: Bereits ein bis zwei Wochen vorm offiziellen Beginn des Musical-Projektes bekamen die Kinder ihre Text- und Notenhefte sowie die Musik-CDs, was dazu führte, dass nun neben den Kindern auch einige Muttis und Vatis sowie Omas und Opas die Smash-Hits wie „Gott ist stärker“ oder auch „Der gute Hirte“ (unfreiwillig?) mitsingen können – der Dauerbeschallung im heimischen Wohnzimmer oder via CD-Player im Auto sei Dank.

Vier Tage wird gesungen, getanzt, auswendig gelernt, gebastelt und geprobt. Und das alles sehr konzentriert und zielstrebig. Das Geheimnis des Lern-Erfolges? Zu einem nicht zu unterschätzenden Teil die prima Verpflegung, die die Eltern in Zweier- und Dreier-Teams zu jeder Mittagsstunde organisierten. Auf die Frage, welche kulinarischen Köstlichkeiten die Kinder am liebsten verschnabulierten, gibt Marlene Tiessen eine klare Antwort, die die Hardcore-Veganer unter uns besser ganz schnell überlesen sollten: „Ganz viel Hackfleisch: Hacksuppe, Hackpizza, Eintopf, Nudeln und Bolognesesoße…“ Dem Lernerfolg schadete die etwas monothematische Ernährung offensichtlich nicht, denn als am Freitag der Übungswoche die Generalprobe über die zwischenzeitlich von „Tierra Sagrada“ aus Marne geliehene und von Vätern sowie Ehrenamtlern aufgebaute Bühne ging, war bereits abzusehen, dass die Aufführung ein voller Erfolg werden würde.

 

Und so kam es dann auch: In 14 Szenen und mit elf Liedern erzählten die Kinder im Rahmen des Sonntags-Gottesdienstes die Geschichte vom Hirtenjungen David, dem Jüngsten seiner nicht gerade kleinen Familie, dem niemand etwas zutraut. Außer natürlich Gott, denn der hat Großes mit ihm vor (Stichwort Headhunter: David wird später König von Israel, aber das ist eine andere Geschichte). Und so sieht sich der kleine David plötzlich dem ziemlich großspurigen Riesen Goliath gegenüber, der mit seiner Philister-Mischpoke die ganze David-Community versklaven möchte. Was dann gemäß Altem Testament und §32 StGB (Notwehr-Paragraph) passiert – also die Sache mit der Steinschleuder, Sie wissen schon – ist somit völlig okay, und der in diesem Bericht eingangs vermutete Skandal ist dann doch wohl keiner.

 

Fazit nach einer Woche: Dank der Anleitung durch die beiden hauptamtlichen Musik-Profis Marlene Tiessen und Madita Schneider sowie mit der Unterstützung durch die vielen ehrenamtlichen Helfer (Teamer aus Burg und Brunsbüttel, Eltern und Helfer aus Eddelak) gelang es den 38 Kindern in nur vier Tagen, ein ausgesprochen munteres Musical auf die Bühne zu bringen. Womit der siebte Teil einer Kindermusical-Erfolgsgeschichte geschrieben wäre, die voraussichtlich im kommenden Jahr ihre Fortsetzung finden wird: Für die zweite Herbstferien-Woche 2020 ist wieder ein Kindermusical geplant – lassen Sie sich überraschen, welche vermeintlichen Skandale und kulinarischen Entgleisungen es dann zu berichten gibt.

 

Klaus Herder

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