Geschichte im Kirchspiel Eddelak

Die literarische Verarbeitung vor Ort

Rückblick von Jens Martensen 2012

 

Es ist ein weit verbreiteter Brauch, verdienstvoller Mitmenschen öffentlich zu gedenken, ihnen ein Denkmal zu setzen. Das kann auf ganz unterschiedliche Art geschehen. In Eddelak wird an zwei Personen erinnert, indem zwei Straßen ihre Namen tragen: Hugo Gehrts und Wilhelm Johnsen. Die kleinere Hugo-Gehrts-Straße zweigt von der größeren Wilhelm-Johnsen-Straße ab; ob damit eine Aussage verbunden sein soll oder kann, wäre noch zu erörtern.

 

Gewiss ist, dass sich beide literarisch betätigt haben. Am Beginn oder im Zentrum ihres Schreibens stand immer das Kirchspiel Eddelak, nicht die Gegenwart, sondern die Vergangenheit aus dem Blickwinkel des aktuellen Zustands. Insofern können beide auch als Forscher bezeichnet werden, denn alte Dokumente zu studieren und ihnen plausible, zusammenhängende Geschichten zu entnehmen, ist eine anspruchsvolle und schöpferische Aufgabe, die über das Sammeln und Aneinanderreihen von Fakten hinausgeht.

 

Da ihre Lebensläufe im Biographischen Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck nicht vertreten sind und ihr Lebenswerk dort also nicht gewürdigt wird, obwohl ein Auftrag mindestens Johnsen betreffend schon 1970 erteilt war, soll hier ein Überblick gegeben werden.

Doch bevor ihr Werk betrachtet werden wird, stellt sich die Frage, wer im Kirchspiel schon vorher literarisch aufgetreten ist. Ein kurzer Rückblick hilft.

  • Hinrich Schmidt (1756-1846)

An erster Stelle muss der ungewöhnlich lange als Pastor und im hohen Alter noch als Süderdithmarscher Propst wirkende Hinrich Schmidt genannt werden. Er hat zwar kein Werk veröffentlicht, kein Buch geschrieben, aber neben seiner Aufgabe, die Kirchenbücher zu führen, umfangreiche Notizen angefertigt. Teilweise finden diese sich in den ledergebundenen Kirchenbüchern, teilweise wurden Kladden geführt. Aus seiner Feder stammt die älteste Predigerchronik des Kirchspiels. Eine seltene Besonderheit zeichnet seine Notizen aus: Sie sind oft gereimt und zogen aus diesem Grunde schon viel Aufmerksamkeit auf sich.

Das Wichtigste dieser Aufzeichnungen ist der Umstand, dass mit diesen "Reimereien" nicht nur Daten amtlichen Charakters überliefert sind, sondern auch Beobachtungen allgemeinerer Art und Stimmungen, aus denen bisher alle jüngeren Chronisten oder Forscher schöpfen konnten.

Gehrts und Johnsen wurden jedenfalls in vielen Dingen von Schmidt kritisch inspiriert. Entsprechend oft haben sie ihn zitiert. Auch schrieben sie über ihn, so dass an dieser Stelle nicht weiter auf ihn eingegangen werden muss.

  • Esch und Haack

Eine ganz andere Form, sich mit der Geschichte des Kirchspiels Eddelak auseinander zu setzen, wählten die Lehrer Esch aus Westerbüttel und Haack aus Blangenmoor: Ihr 55 Seiten starkes Büchlein "Eddelak in alter und neuer Zeit" wurde - vermutlich 1895 - vom Verlag Hinz in Brunsbüttelhafen gedruckt. Glücklicherweise ist das Büchlein nicht verschollen, sondern hat als Original oder manchmal auch als Kopie in einigen Archiven und Bibliotheken überlebt. Ein Abdruck - ohne Anhang - befindet sich in der Eddelaker Chronik.

Um die Schrift herausgeben zu können, bedurfte es umfangreicher Studien alter Quellen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, obwohl man aus heutiger Sicht manches anders bewerten muss. Insofern kann man an der Arbeit von Haack und Esch die damalige Auffassung studieren, und wie diese sich im Laufe der Zeit geändert und entwickelt hat, denn auch Haack und Esch haben versucht, überholten Meinungen entgegen zu treten.

  • Hugo Gehrts (1874-1960)

Ganz anders wieder Hugo Gehrts aus Warfen. Sein Interesse für Familiengeschichte, beginnend mit der eigenen, bildete die Grundlage seiner Berichte. Über seine Tätigkeit als Sekretär am Amtsgericht Eddelak besaß er einen direkten Zugang zum Archiv des Kirchspiels, zu Dokumenten aller Art. Die eigentliche schriftliche Schaffensperiode begann sogar erst mit dem Eintritt in den Ruhestand, nachdem Wilhelm Johnsen seine Formulierfähigkeit entdeckt und ihn zu Veröffentlichungen ermuntert hatte. Gehrts schrieb für sein Umfeld, für die Menschen, die er kannte. Aus diesem Grunde ist es auch nicht verwunderlich, dass der weitaus größte Teil seiner Arbeit in den Süderdithmarscher Zeitungen erschien. Zu nennen sind die Eddelaker Nachrichten und die Brunsbüttelkooger Zeitung, aber auch der Dithmarscher Kurier und die Marner Zeitung erklärten sich bereit, seine Beiträge zu übernehmen.

Kein Archiv besitzt eine vollständige Übersicht, geschweige denn eine vollständige Sammlung dieser Beiträge. Die jüngste Chronik von Eddelak konnte eine solche Aufgabe nicht leisten. Einige wichtige Kapitel wären ohne die Vorarbeit von Gehrts nicht möglich gewesen. Insofern wird hier in einem ersten Schritt lediglich der Versuch unternommen, alle in Zeitungen erschienenen Beiträge zu erfassen und in einem Verzeichnis aufzuführen; sie der Nachwelt zu erhalten, stellt eine weitere Herausforderung dar. Hieran wird noch gearbeitet.

Nur um diese Beiträge geht es hier, denn seine wenigen in regelmäßig erscheinenden Zeitschriften (Periodika) sind bibliografisch gut erfasst.

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  • Wilhelm Johnsen (1891-1965)

Was für Gehrts gilt, darf auch für Johnsen gelten, solange es sich um Zeitungsbeiträge handelt. Die Aufgabe der Erfassung ist jedoch erheblich schwieriger, weil Johnsen nicht nur weitaus mehr geschrieben hat, sondern sich auch nicht auf Süderdithmarscher Zeitungen beschränkt hat. Auch geht das Themenspektrum deutlich über lokal angesiedelte Bereiche hinaus, zumal Johnsen durch seine Herkunft in Ostholstein nicht in gleicher Weise wie Gehrts im Kirchspiel verwurzelt war.

Sein Einblick in kunsthistorische Zusammenhänge erschlossen ihm weitere Themen wie auch seine charakteristische Darstellungsweise ihn zu Monografien befähigten. Nur wenige Zeitungsbeiträge wurden in Sonderdruckform herausgegeben. Doch hier sind keine Lücken zu schließen. Diese Arbeiten sind ausnahmslos in öffentlichen Bibliotheksdatenbanken erfasst, nicht jedoch die Mehrzahl seiner Zeitungsbeiträge. Bedauerlicherweise ist manches offensichtlich schon verschollen. Doch was durch Recherchen in vielen Archiven erfasst und gesammelt werden konnte, kann sich sehen lassen: Johnsen hat sich beeindruckend viel erarbeitet.

asserversorgungsunternehmen adressieren irrtümlich in die "Wilhelm-Lohse-Straße".

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  • Archive

Um die erfassten Beiträge in Zeitungen aufzuspüren, bedarf es vieler Besuche in öffentlichen und privaten Archiven. Leider sind dort nicht immer Originale erhalten, sondern manchmal nur Kopien ohne gesichertes Datum und ohne Herkunft. Mancher Beitrag muss als verschollen verbucht werden, weil Originalseiten zufällig verloren gegangen sind oder auch ganze Jahrgänge bewusst vernichtet wurden. Gerade aus der Zeit des Nationalsozialismus fehlen viele Belege.

Insofern sind die obigen Zusammenstellungen sehr wahrscheinlich nicht vollzählig.

Die Aufstellungen scheinen ferner Beiträge zu nennen, die mehrfach gedruckt wurden. Dieser Eindruck trügt nicht. Die Beiträge selbstredend als identisch anzusehen, wäre jedoch ein Irrtum. Denn es ist zu berücksichtigen, dass sowohl Stückelungen abweichen können, Druckfehler schon in den Überschriften vorkommen als auch unter gleichen Titeln bereits Änderungen umgesetzt sind. Insofern empfiehlt es sich, sämtliche Dopplungen in die Aufstellungen aufzunehmen. Eine Serie Johnsens ist beispielsweise abgebrochen worden, weil hochrangige aktuelle Geschehnisse wie der Tod des Staatsoberhaupts die Fortsetzung verhinderten.

Für Gehrts und Johnsen wurden die folgenden Archive aufgesucht:

Archive der Gemeinden Burg und Büsum. Archiv der Marner Zeitung. Archiv Preiß in Büsum. Kreis- und Stadtarchiv Itzehoe. Landesmuseum Meldorf. Mühlenarchiv Petersen des Vereins für Dithmarscher Landeskunde. Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel. Stadtarchive Brunsbüttel und Neumünster.

  • Geschichte der Straßen

Nachdem die neue Dörfergemeinschaftsschule, heute Kampschule, 1968 zwischen Kampweg und Schulstraße in Betrieb genommen worden war, stellte sich die Gemeinde Eddelak die Frage, ob und wie die der Gemeinde gehörende, als Sportplatz genutzte Festwiese hinter dem alten Feuerwehrgerätehaus ("Spritzenhaus") im Rücken der Bahnhofstraße in Zukunft zu nutzen sei, denn langfristig war der Schulverband an neuen Sportanlagen in der Nähe der Schule interessiert, um Unterricht und Wettkämpfe dort durchführen zu können.

Noch 1970 gibt der Flächennutzungsplan der Gemeinde Eddelak dazu keine genaue Auskunft. Sowohl die alte Festwiese als auch die neuen Flächen sind dort als Sportplatz ausgewiesen.

Erst am 3. Juli 1972 erstellt das Kreisbauamt Dithmarschen im Auftrag der Gemeinde einen Bebauungs- und Kostenplan für den alten Sportplatz, der zwei Straßen enthält: die Planstraße A, die an der Bahnhofstraße mit dem bisherigen namenlosen Abschnitt beginnt und bis zu einem Wendepunkt verlängert wird, sowie die nach Westen rechtwinklig abzweigende Planstraße B. Noch 1973 ist der Plan nicht umgesetzt. Das Projekt befindet sich weiter im Rohzustand.

1974 allerdings sind die ersten Grundstücke verkauft, die ersten Häuser im Bau, so dass von einem vorhandenen Ausbau der Straßen ausgegangen werden kann. Straßennamen fehlen offiziell noch, müssen aber schon entschieden und mitgeteilt worden sein, denn Energie- und Wasserversorgungsunternehmen adressieren irrtümlich in die "Wilhelm-Lohse-Straße".

Der Fehler ist mittlerweile behoben, der Ausbau der übrigen Grundstücke zügig erfolgt, und die beiden Straßenschilder werden ihrer zugedachten Aufgabe unauffällig gerecht. Erinnerungen zufolge hat die Gemeindevertretung bezüglich der Namensvergabe keine einstimmigen Beschlüsse gefasst.

Der Grund dafür ist vermutlich in der noch allzu nahen Vergangenheit des "Dritten Reiches" zu suchen, als der Zeitgeist sich vieler Mitbürger bemächtigt hat, die sich erst nach dem Krieg erschrocken von ihm abwandten. Man sieht es daran, dass sich beider Ton nach dem Kriege geändert hat. Dazu hat in erster Linie nicht der bekannte Ausgang des Krieges beigetragen, sondern vorher schon haben eigene Verluste in den Familien Gehrts und Johnsen die Augen geöffnet.

Da sich nach dem Kriege der Ton wieder normalisiert hat, sind alle Beiträge gut geeignet, den Einfluss des Zeitgeistes zu studieren. Am geschichtlichen Sachverhalt ändert sich dadurch nichts. Insofern können die Arbeiten heute noch viele Informationen über Eddelaks Geschichte bieten.

Literatur 

Eddelak - gestern und heute, Chronik der Gemeinde Eddelak (Eddelak 1994).

Schlee, Ernst: Wilhelm Johnsen, Nachruf. In: Dithmarschen, Zeitschrift für Landeskunde und Heimatpflege - Neue Folge (1966) Nr. 1, S. 2f.
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