Genese eines Irrtums bei Neocorus

Die Gründung der Kirche in Eddelak

(von Jens Martensen 2010)

Einführung

Unbestritten trat Heinrich der Löwe als Gründer und Förderer von kirchlichen Einrichtungen und weltlichen Gemeinwesen auf. Allerdings wurden ihm auch Gründungen zugesprochen, für die eine Beteiligung des Welfen aus heutiger Sicht kategorisch ausgeschlossen werden kann. Zu diesen Gemeinwesen zählte Eddelak, ehemals ein Kirchspiel im Süden Dithmarschens, dessen Kirchengründung seit dem 16. Jahrhundert auf den Welfen und das durch seine 2. Gemahlin Mathilde bestimmte Zeitfenster von 1168 bis 1189 zurückgeführt wurde.

Abb.1: Figürliche Darstellung der ersten Kirche Eddelaks im Werk von Anton Vieth; Stich von C. Fritzsch (1733) nach der Vorlage der Dithmarschen-Karte von Peter Böckel (1559)

Die Schriftquelle für diese genaue Datierung bildet einzig und allein der Dithmarscher Chronist und Büsumer Pastor Johann Adolphi Köster (um 1550 bis 1630), der unter dem Namen Neocorus in seiner "Dithmerschen Historischen Geschichte" von 1598 schreibt, dass die Eddelaker Kirche St. Marien auf das herzogliche Welfenpaar zurückginge.

 

Sowohl auf der Dithmarschen-Karte von Peter Böckel (1559) als auch bei dem eng an diesen sich anlehnenden Anton Vieth (1733) ist die erste Kirche unter einem Satteldach als massiv gemauerter, einschiffiger Saalbau mit Apsis und hölzernem, spitz überragendem Glockenturm unmittelbar vor dem Westgiebel zeitgenössisch dargestellt (Abb. 1). Wie nahe diese Darstellungen an die historische Wirklichkeit heranführen, sei dahingestellt.

 

Bedauerlicherweise äußert sich Neocorus nicht zu den Quellen für seine Aussage. Gerade deshalb ist primär nach diesen zu fragen, wenn die Belastbarkeit seiner Aussage beurteilt werden soll. Diese Lücke zu füllen und der Aussage den ihr gebührenden "historischen Wert" zuzuweisen, ist Anliegen der folgenden Ausführungen.

Der Zusammenhang bei Neocorus: das Kirchspiel Eddelak

 

In allen früheren Untersuchungen ist der Gründungshinweis vom restlichen Text isoliert erörtert worden, was indes zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat. Aus diesem Grunde wird im Folgenden der Gesamtzusammenhang berücksichtigt werden, um eine Erklärung zu finden. Dazu sei der Eintrag zu Eddelak noch einmal geschlossen wiedergegeben.

Abb. 2: Beschreibung des Kirchspiels Eddelak in der Chronik des Neocorus nach der Edition von Friedrich Christoph Dahlmann (Bd. I, S. 266).

Die hier fassbaren Informationen sind von Neocorus zuverlässig mitgeteilt, von nachfolgenden Chronisten und Forschern dann aber nicht mehr immer im ursprünglichen Sinne verstanden worden. So gibt Neocorus die Rechte des Erzbischofs von Bremen in Burg ("Borch") in Dithmarschen korrekt wieder, ebenso die nicht nur von der Hamburger Kirche geübte Praxis, den Dienst vor Ort von Vikaren ausüben zu lassen. Aus anderem Zusammenhang wissen wir, dass der erwähnte Conrad Bole ab 1515 als Pfarrer in Burg wirkte, so dass er noch vor diesem Datum Vikar in Eddelak gewesen sein muss. Der Reichtum der Kirche ist in diesem Fall durch ausgedehnten Grundbesitz angezeigt. Dabei sind die vielen Ortsnamen ohne eine lokale Quellenbasis kaum denkbar. Informationen wie die zu Burg oder Süderhastedt lassen zudem zur Zeit der Abfassung der Chronik entweder auf persönliche Verbindungen und auf die Nutzung uns nicht mehr bekannter Kommunikationswege, oder aber - wohl eher - darauf schließen, dass Neocorus die Informationen als einen geschlossenen Block aus anderer Quelle übernommen hat. Denn das vergleichsweise schmale, aber sehr kompakte Wissen über das Kirchspiel Eddelak beschränkt sich im Gegensatz zu dem über Norderdithmarscher Kirchspiele auf wenige kirchenrelevante Informationen, wie sie für einen Geistlichen wichtig sind: etwas Geschichte, Angaben zur Betriebsfläche (Kirchenland) und zum Gemeindeumfang. Diese ausgesuchten Informationen wirken beinahe wie eine Stellenbeschreibung, wie sie unter angehenden oder wechselbereiten Predigern umgelaufen sein mag. Eine Verwendung entsprechender Zeugnisse ließe allerdings eine homogenere Auskunft für alle Kirchspiele erwarten.

 

Die als "Dorper" (Dörfer) bezeichneten Siedlungsgemeinschaften sind weder vollständig aufgezählt noch mit allen fünf frühen Bauerschaften (Averlak, Behmhusen, Dingen, Warfen, Westerbüttel) identisch. Unter "Eddelacke" ist hier der den Namen des Kirchspiels tragende und zentrale Funktionen wahrnehmende Kirchort Eddelak zu verstehen, den sich die westliche Bauerschaft Behmhusen ("Bemenhusen") und die nicht genannte, östliche Bauerschaft Warfen je zur Hälfte teilten. Kirche und Kirchhof befanden sich um 1600 hart an der westlichen Bauerschaftsgrenze in Warfen (Abb. 3).

 

Es sei dahingestellt, warum die südöstliche, mit Abstand räumlich größte und bevölkerungsreichste Bauerschaft Averlak ("Aver de Lake"), deren Gebäude sich auf dem schmalen Donnstrich zwischen westlicher Niederung und östlichem Kudensee konzentrieren, bei Neocorus nur mit dem kleinen, südlichsten Anhang "Honermohr" (Hühnermoor / Blangenmoor) vertreten ist. Hier mag "aver de lake" irrtümlich als Attribut zu "Honermohr" verstanden worden sein. Faktisch jedenfalls ergibt sich eine Beschränkung auf die räumlich kleineren, dafür aber wohlhabenderen Bereiche, innerhalb derer das auffällige dreimalige Vorkommen der nördlichen Bauerschaft Dingen ("Nordinge" = Norderdingen, "Suderdinge" = Süderdingen, "Sandhorne" = Sandhörn / Sandhayn) eine Überbetonung des Nordens erzeugt. Im Norden kann demzufolge die unmittelbare Nachbarschaft zum Lebensmittelpunkt des Betrachters vermutet werden.

 

Am solchermaßen erschlossenen Beobachterstandort, konkret an der Landscheide zwischen den Bauerschaften Dingen und Warfen, zwischen den Siedlungskernen Kirchort und Sandhayn, befand sich noch um 1600 inmitten des Kirchenlandes und in Sichtweite der Kirche das Pastorat als Wohnsitz des Hauptpredigers. Es musste 1575 als Hofstätte neu errichtet werden. Als Grund kann der bauliche Zustand vermutet werden, da außer der neuen Berufung kein besonderer Anlass überliefert ist.

Abb. 3: Das Kirchspiel Eddelak um 1600 mit den fünf frühen Bauerschaften (BS) (Karte J. Martensen).

Die Eddelaker Prediger um 1600

Zur aktiven Zeit von Neocorus treten für Eddelak vier Hauptpastoren als mögliche "Betrachter" und Informationsquellen des Chronisten ins Blickfeld: Johann Saliger (1572-1574), Elhard Sager (1575-1586), Hinrich Drape (1587-1609) und Johann Wohlenberg (1610-1620). Allen vier Pastoren stand der Diakon Konrad von Bergen (1572-1614) zur Seite.

 

Die Identifikation Johann Saligers wird dadurch erschwert, dass wir aus der Literatur gleich zwei Kandidaten dieses Namens kennen, die nach Arends zu unterschiedlichen Zeiten beide in Wittenberg studierten. So korrigiert etwa auch Schmidt seine "Prediger-Chronik", weil Hellmann in Anlehnung an Neocorus für 1556 in Süderhastedt einen Diakon namens Johannes Szalige "hagensis" (= "aus Stadthagen") nennt. Damit verdrängt Schmidt jenen vorher eingesetzten Johann Saliger, dessen Lebensdaten sehr viel besser mit einer Tätigkeit in Eddelak harmonieren.

Nach den Angaben bei Hauschild war Saliger (auch: Seliger, Beatus) in Lübeck aufgewachsen, was in gewissem Widerspruch zu seiner Erwähnung als "hagensis" steht. Später war er nach Anstellungen in Beidenfleth (1561-1566), in Holland (Woerden) und Antwerpen (beide 1566) als Diakon an St. Marien in Lübeck (1568) sowie als Pastor an St. Nikolai in Rostock (1568) tätig, bevor er über Wismar (1571, ohne Amt) - nach Schmidt frühestens 1572 - ins ferne Eddelak kam. Dort wird man von ihm einiges über Lübeck, speziell über den Lübecker Dom und eventuell auch über die übrigen Welfendome erfahren haben können, denn Heinrich der Löwe und seine Rolle in der Geschichte Lübecks waren in Lübecker traditionsbewussten Kreisen dank einer lebendigen Chronistik gegenwärtig. Obwohl Saliger, der in seinen letzten Ämtern als Gnesiolutheraner hervorgetreten war, die Gemeinde Eddelak bereits 1574 aus vermutlich den gleichen, wenn nicht profaneren Gründen wieder verlassen musste, die ihn zuletzt in Lübeck und Rostock scheitern ließen, könnten über ihn Kenntnisse über Heinrich den Löwen und Mathilde ins Kirchspiel gelangt sein, die vor Ort mit der eigenen Kirche und ihrer Entstehungsgeschichte verbunden wurden. Welche Missverständnisse mitgewirkt haben, wie dies konkret geschah, wissen wir nicht, doch mögen sowohl die Kirchspieloberen als auch der Diakon Konrad von Bergen daran mitgewirkt haben, um die Reputation der eigenen Kirche zu erhöhen.

 

Elhard Sagers Biographie weist gleich mehrere Bezüge zur untersuchten Textstelle auf und ist auch mit einigen der erwähnten Geistlichen eng verwoben. So lernte er selbst während seiner früheren Amtszeit in Süderhastedt (1544-1556) vermutlich Conrad Bolen im benachbarten Kirchspiel Burg (Dithmarschen) kennen. Damit dürfte ihm dessen Bremer Berufungsgeschichte bekannt gewesen sein. Der um eine Generation ältere Bolen verkörperte im Gegensatz zu Sager (auch: Seger, Zagerius, Zegerius) alle Merkmale eines Geistlichen aus der vorreformatorischen Epoche, was seine mit dem Altersunterschied zu erklärende natürliche Autorität verstärkte. Er verstarb 1557 nach 42 Jahren Dienstzeit als Pastor in Burg. Ebenso lernte Sager während seiner Zeit als Pastor in Brokdorf (1557-1575) den bereits erwähnten und für unsere Überlegungen wichtigen Johann Saliger (1572-1574 in Eddelak) im benachbarten Beidenfleth (1561-1566) vermutlich sogar persönlich kennen. 1575 wurde er dann von Brokdorf nach Eddelak berufen, wo der Pastoratshof anlässlich seines Wechsels neu aufgebaut worden war. Sager, unter dem sich dort der Bezug auf Heinrich den Löwen gerade durch die Verbindungen zu seinen Vorgängern verdichtet haben mag, starb 1586 in Eddelak.

Seinen Nachfolgern in Amt und Hof, Hinrich Drape und Johann Wohlenberg, fehlte nicht nur ein gleichwertiger Bezug zu Burg oder Süderhastedt, sondern auch zu Saliger und zu Lübeck. Drape wurde berufen, nachdem der Steinburger Amtmann Josias von Qualen, der sich mit Hilfe systematischen Landkaufs zwischen 1575 und 1578 das in Dingen gelegene adlige Gut Friedrichshof aufgebaut hatte, beim dänischen König Friedrich II. aus eben diesem Grunde 1584 in Ungnade gefallen war und seine Pläne hatte aufgeben müssen. Das Gut selbst nahm Neocorus zwar wahr, doch teilte er über dessen Geschichte in seiner Chronik nichts mit, obwohl der Vorgang auch für Eddelak zahlreiche Veränderungen mit sich brachte. Daraus lässt sich schließen, dass die Überlieferung zu Eddelak, wie wir sie bei Neocorus fassen, bereits lange vor Drapes Dienstantritt 1587 entstanden ist.

 

Neocorus begann nämlich bereits früh mit seinen Studien, auch wenn er die Chronik selbst erst ab Mitte der 1590er Jahre abfasste. Bei Wohlenbergs Dienstantritt 1610 hatte Neocorus sein Werk nach eigenen Angaben bereits vollendet. Der späteren Überarbeitung verdankt die Kirchspieltopographie zwar noch die Berücksichtigung der 1612 vorgenommenen Abspaltung der Gemeinde St. Michaelisdonn ("Donekerken effte Niekerken") von Marne, doch da die Kieler Handschrift (UB Kiel, Cod. Ms. SH 187) zum Kirchspiel Eddelak keine von Neocorus selbst hinzugefügten Korrekturen enthält, darf das Kapitel über Eddelak mit dem Jahre 1598 als abgeschlossen gelten.

 

Demnach kann mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit der Eddelaker Hauptpastor Elhard Sager als zumindestens mittelbare Informationsquelle von Neocorus angenommen werden. Die betreffenden Informationen selbst dürften bereits in den ersten Jahren seiner Dienstzeit (1575-1586) entstanden sein.

 

Neocorus hat Sager in seiner Jugend zwar nicht persönlich erlebt, kann ihn aber zweifellos später kennen gelernt haben, obwohl er amtlich wenig Gelegenheit dazu hatte: Dithmarschen war kirchlich, der politischen Teilung angepasst, in "Superintendenzen" aufgeteilt. Während Neocorus im herzoglichen Norden lebte, zählte Eddelak zum königlichen Dithmarscher "Suderdeel". Insofern stand Neocorus für die Übermittlung des Bausteines nur bedingt ein kirchliches Botenwesen zur Verfügung. Eine Alternative bot möglicherweise der Kaland, eine von Geistlichen gelebte Bruderschaft, die nach der Reformation in Dithmarschen zunächst weiter bestand. Der Kaland, ohne Organisationsdetails beschrieben für Norderdithmarschen in den Jahren 1565, 1600 und 1630, besaß einen eigenen Kalandsboten.

 

Auf der Grundlage des Wissens über Eddelak und seiner während der späteren Studienzeit in Helmstedt erworbenen Kenntnisse über die Welfen war Neocorus zweifellos in der Lage, nicht nur beides miteinander in Verbindung zu bringen, sondern auch selbst Korrekturen anzubringen. Dies scheint er indes nicht getan zu haben. Im Gegenteil: Sein eigener Anteil ist um so geringer anzunehmen, je kürzer die Beschreibung eines Kirchspiels ausfällt. Bestätigt wird diese Vermutung u. a. durch die Beobachtung, dass die Bremer Kirchenrechte in den Beschreibungen der Kirchspiele Burg und Süderhastedt ignoriert werden, obwohl sie gerade für Burg klar fassbar sind. Insofern wirkt die vorliegende Beschreibung des Kirchspiels Eddelak bei Neocorus wie ein fertiger Baustein aus der Zeit vor dessen Studium, den er in Wahrung der Quellentreue weder verändert noch ergänzt hat. Der Eddelaker Pastor Elhard Sager lieferte dieser Annahme nach nicht nur die Informationen in der Sache, sondern auch die Formulierungen.

 

Die Antwort auf die Frage nach den Grundlagen der Beschreibung Eddelaks im Werk des Neocorus ist demnach letztlich nicht in dessen Person zu finden, sondern beruht auf von außen induzierten "assoziativen Leistungen" im Kirchspiel selbst. Auch der im Manuskript für Nachträge reservierte Raum wurde durch den Chronisten selbst nicht genutzt. Zugleich wird deutlich, dass der Hinweis auf die durch Heinrich den Löwen und seine Gattin Mathilde erfolgte Gründung keine Vorgeschichte aus früherer Zeit besitzt, nicht etwa vor Ort tradiertes älteres Wissen darstellt, sondern erst zu Lebzeiten des Chronisten entstanden und durch die geistlichen Funktionsträger vor Ort vermittelt worden ist. Eingehendere eigene Kenntnisse über Eddelak brauchen wir dafür bei Neocorus nicht vorauszusetzen.

 

Zusammenfassung

Die Frage nach einem genauen Datum der Kirchengründung in Eddelak ist auf der Basis der in regionalen Archiven und Bibliotheken überlieferten Schriftquellenüberlieferung nicht zu beantworten. Immerhin verweist die Errichtung der Kirche in Backstein auf das ausgehende 12. bzw. frühe 13. Jahrhundert. Von der Überlieferung des Landes Dithmarschen steht uns im Wesentlichen das zur Verfügung, was Johann Russe, Johann Adolf Köster, gen. Neocorus, Anton Vieth und Johann Adrian Bolten überliefert haben. Folgt man Neocorus, so hat Heinrich der Löwe zusammen mit seiner Gemahlin Mathilde die Gründung der Kirche in Eddelak vorgenommen.

 

Diese bei Neocorus erstmals fassbare und über seine Chronik weiter verbreitete Information wird wegen ihres schmückenden Charakters bis in die Gegenwart tradiert. Die Aussage wird jedoch meist aus dem Kontext herausgelöst betrachtet. Von späteren Chronisten vorgenommene Ergänzungen haben die Notiz von Neocorus eine eigene Überlieferungs- und Wirkungsdynamik gewinnen lassen. So sind mehrere Varianten der ursprünglichen Quellenachricht entstanden. Viele Autoren haben das Zitat - meist um den Hinweis auf Mathilde gekürzt, dafür aber um ein konkretes Datum erweitert - übernommen. Wenig kritisch versuchen diese - oftmals unter Verweis auf die letztlich völlig unhistorische Jahreszahl 1150 -, die Verbindung Heinrichs des Löwen mit der Kirchengründung in Eddelak zu erhalten, obwohl gerade die konkrete Jahreszahl 1150 durch das leicht zu ermittelnde Zeitfenster zwischen der Eheschließung des Herzogspaares (1168) und dem Tod Mathildes (1189) auszuschließen ist.

Die moderne historische Forschung hat einen entsprechenden Zusammenhang indes vollends verworfen. Die Ursache für diese Einschätzung beruht weniger auf den fehlerhaften Ergänzungen und Auslegungen der Originalnachricht, als vielmehr auf der Berücksichtigung anderer urkundlicher und chronikalischer Quellen zum Leben und Wirken Heinrichs des Löwen. In der Summe lässt all dies den von Neocorus erwähnten Gründungsvorgang unter Beteiligung des Welfenherzogs als sehr unwahrscheinlich erscheinen.

 

Eine eingehendere Beschäftigung mit der Gründungsnachricht im Zusammenhang des gesamten Abschnitts über Eddelak unter Einbeziehung von prosopographischen und biographischen Informationen über die zeitgenössische Dithmarscher Geistlichkeit verweist mit einiger Wahrscheinlichkeit auf den Eddelaker Hauptpastor Elhard Sager als Vermittler entsprechender Informationen über die Eddelaker Kirchengründung.

 

Hier tradiert die Quellentreue des Neocorus die Ansicht eines anderen, ohne diesen namentlich zu nennen und ohne die Aussage selbst kritisch zu hinterfragen. Letztlich wird diese Aussage sich aber in das Bild eingefügt haben, das Neocorus durch seine Studieneindrücke in und um Helmstedt von Heinrich dem Löwen gewonnen hatte. Gleichwohl räumt es Heinrich bei der Ausgestaltung der kirchlichen Verhältnisse im hochmittelalterlichen Dithmarschen mehr Raum ein, als ihm eigentlich gebührt.

 

Modifizierter Auszug aus: Jens Martensen, Genese und Wirkungsgeschichte eines Irrtums bei Neocorus. In: Zeitschrift für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 135, Wachholtz-Verlag (Neumünster) 2010, S. 57-76; Anmerkungen, Quellen- und Literaturangaben siehe daselbst.
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