Die Geschichte der Orgel in Eddelak

von Silke Wiese 2007

(Organistin der Kirchengemeinde Eddelak)

Die Eddelaker Orgel hat eine bewegte Geschichte: Der Eddelaker Krugwirt und Bader (eine Art Chirurg) Johann Ernst Hops, heiratete am 10. Dezember 1709 die Jungfer Gertrud Margaretha Riketiden, Tochter eines Ratsherrn aus Ratzeburg. Dessen Tochter Margaretha wiederum heiratete 1728 den Kirchenbaumeister Tewes. 1735 starb Hops bei einem Reitunfall und seine Witwe betrieb zusammen mit ihrer Schwester den Dorfkrug weiter. 1753 stifteten die beiden 300 Mark für eine Orgel. Die Stifterkartusche ist noch heute über der Eddelaker Orgel angebracht.

 

Diese Orgel wurde jedoch erst 1763 von dem Itzehoer Orgelbauer Johann Daniel Busch (1735-1787) geliefert. J. D. Busch erbaute zahlreiche bedeutende Instrumente, das größte lieferte er 1770 ins norwegische Trondheim.

 

Der Schulhalter erhielt fortan von der Gemeinde jährlich 30 Mark. Dafür sollte er einen des Orgelspiels kundigen Menschen anstellen. Das heutige Oberwerk ist dieser hochbarocke Teil des Orgelwerkes. Der Prospekt (sichtbarer Teil) des Oberwerkes, die Windlade und vier Register (Gedackt 8', Prinzipal 4', Flöte 4', Oktave 2') haben die Jahrhunderte unverändert überstanden. Neben den anderen Werken von J. D. Busch* hat das Eddelaker Instrument damit den größten historischen Bestand aus dem 18. Jahrhundert. Der untere Teil der Orgel wurde 1840, zur Hundertjahrfeier der St. Marien-Kirche, von Johann Carsten Boje Friedrich Piehl von Josenburg und Eggert Schmielau aus Blangenmoor-Lehe für 2400 Mark gestiftet. Das erweiterte Werk wurde 1842 von dem Altonaer Orgelbauer Johann Conrad Rudolph Wohlien (1808-1866), unter Verwendung der Busch-Orgel erbaut. Wohlien, der auch die historische Orgel in Barlt erbaute, errichtete unter dem alten Werk des Schnitger-Enkelschülers ein überaus wohlproportioniertes Instrument. Das Gehäuse dieser neuen Orgel war immerhin so großzügig bemessen, dass in ihm noch Platz für zwei weitere Register verblieb. Die Spende zur 100 Jahr-Feier reichte für Subbass und Oktave 8' nicht mehr aus und blieben somit vakant. Es ist zu vermuten, dass auch seitliche Schleierbretter am Hauptgehäuse der "Sparschraube" zum Opfer fielen. Erst 1978 erhielt die Kirchengemeinde Eddelak, durch Vermittlung des Meldorfer Kirchenmusikdirektors Dr. Peter Mohr, aus der abgetragenen alten Meldorfer Domorgel der Firma Marcussen & Reuter, zwei wertvolle Register geschenkt. Leider waren die sechs tiefsten Holzpfeifen so mächtig, dass sie in dem Eddelaker Gehäuse keinen Platz fanden und durch neue Pfeifen aus Zinn (Eberhard Tolle) ergänzt wurden. Diese sechs Pfeifern sind die einzigen von 1350 Pfeifen, welche die Kirchengemeinde Eddelak selbst bezahlen musste.

 

Der Wert des Eddelaker Instrumentes ist kulturhistorisch von außerordentlicher Bedeutung:

  1. Es ist das größte noch erhaltene Werk von J.C.R. Wohlien.
  2. Die anteilige Substanz der Orgelteile von J. D. Busch ist sehr hoch (Prospekt+Gehäuse, 4 Register und Windlade)
  3. Als Musterbeispiel eines sensiblen und verantwortungsvollen Umganges mit historischer Substanz durch J.C.R. Wohlien, ist das Eddelaker Instrument einmalig in der schleswig-holsteinischen Orgellandschaft und damit zweifelsohne ein kulturhistorisches Denkmal, eben eine "Denkmalorgel".

1989 wurde eine Restaurierung für ca. 51.000 DM durch die Kieler Orgelfirma Neuthor durchgeführt, die der Orgelsachverständige KMD Günther Beutling begleitete. Hier wurde alles historische Pfeifenmaterial gesäubert und teilweise stabilisiert.. Die letzte große Renovierungsarbeit war im Januar 2006 (siehe Aktuelles Januar 2006). Dazu wurden die Windladen ausgebaut, die Ventilseiten der Lade wurde mit feinem Leder neu bezogen und sämtliche Ventile wurden neu befilzt und beledert sowie neu angepasst. Zudem wurden die Windkastenspunde neu beledert und eingepasst.

 

Die Busch/Wohlien-Orgel hat noch eine historische Keilbalganlage (1763?/1842), welche, als einzige Barockorgel in Norddeutschland auch noch mit Bälgetretern bedient werden kann! Der geschöpfte Wind klingt zudem ruhiger und atmet anders in die Pfeifen, als der quirlende Wind eines Ventilators. Auch bei Stromausfall und weiter steigenden Strompreisen wäre somit immer ein Bespielen der Orgel möglich. Die Windanlage wurde früher von Schülern des Dorfes bedient. Der Organist war in der Regel der Dorflehrer und wenn sie ihm nicht recht gut gesonnen waren, haben sie ihm mitunter auch etwas Luft abgekniffen.

 

* Die J. D. Busch Instrumente in Kahleby und Neuenkirchen wurden jüngst fachgerecht restauriert. In Ulsnis und in Neuhof ist nur der Prospekt original erhalten, in Langenhorn der Prospekt und 3 Prinzipal-Register, jedoch keine Windladen.

(Quelle: Unter Verwendung der Eddelaker Chronik von Karl Altenburg)

Disposition der Orgel in der St. Marienkirche

 

Hauptwerk Oberwerk Pedal
Prinzipal 8' (1842) Gedackt 8' (1763) Subbass 16' (Marcussen)
Gedackt 8' (1842) Prinzipal 4' (1763) Prinzipal 8' (Marcussen)
Oktave 4' (1842) Flöte 4' (1763) Pommer 4' (Marcussen)
Quinte 2 2/3' (1842) Oktave 2' (1763)  
Waldflöte 2' Sept. Sesquialtera 2-3fach  
Mixtur 4fach (1842) Siflet 1'  
  Scharf 4fach  
  Tremolo  

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Normalkoppeln
I. und II. Manual
I. Manual und Pedal
II. Manual und Pedal
Klavierumfang
Pedalwerk: von C-0 bis D-2
Manualwerk: von C-0 bis F-4
Mitschnitt aus einem Orgelkonzert am 20. November 2016
2016-11-20 Orgel Eddelak.mp4
MP3-Audiodatei [2.7 MB]
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