Der neue Friedhof von 1831 - vom Kirchhof zum Friedhof

Es ist ein Wandel im Sprachgebrauch entstanden. Früher lagen die Begräbnisplätze um die Kirchen herum, so daß auch die Toten stärker in das Gemeindeleben einbezogen wurden. Man bezeichnete diese Begräbnisplätze als Kirchhof. Wie ich aber bereits erwähnt habe, nahm die Bevölkerungszahl zu, so daß die alten Begräbnisplätze nicht mehr ausreichten. Über den neuen Friedhof findet sich in der Kirchenchronik folgender Bericht aus der Predigt von Pastor Reirners, die er am 25. Mai 1931, zur Hundert-Jahr-Feier des Friedhofs gehalten hat. Er sagte folgendermaßen:

"Auf dem früheren Friedhofe der Gemeinde, der sich auf dem Gelände um die Kirche herum befand, wurden die Leichen nach Bauernschaften, von denen jede ihr eigenes Revier hatte, gebettet. Infolge großer Hitze brach in unserer Gemeinde im Jahre 1825 das Wechselfieber aus. Brauchbares Trinkwaßer musste aus weiter Entfernung vom Friedrichshof her herbeigeschafft werden, weil das hier vorhandene Wasser nicht mehr für Menschen geeignet war. Aber nicht alle waren imstande, sich stets frisches Trinkwasser zu beschaffen, und so kam es, daß der Tod reiche Ernte hielt. Bis zum August des unseligen Jahres 1825 waren 80 Leichen zu verzeichnen, die auf dem alten Friedhof gebettet werden mußten. Eine Leiche aus Westerbüttel konnte nicht mehr auf dem Begräbnisplatz ihrer Bauernschaft beerdigt werden und mußte in dem Revier einer anderen Bauernschaft bestattet werden. Dieses war in jener Zeit infolge langer Anfragen und langwieriger Verhandlungen sehr umständlich. Die Gemeinde sah sich also notgedrungen gezwungen, für die Herrichtung eines neuen Friedhofes Sorge zu tragen.

 

In den Jahren 1831 und 1832, als in unserer Gemeinde Propst Schmidt und Pastor Engelbrecht amtierten, gingen unter hervorragender Mitwirkung des Landesgevollmächtigten Dührßen durch Kauf und Tausch 12 Scheffel am nördlichen Ausgang des Ortes belegener Ländereien des Landmannes Nikolaus Ohlhues und der Witwe Scheelhase in den Besitz der Gemeinde über. Am 25. Mai 1832 wurde der neue Friedhof mit der Bestattung der ersten Leiche des Hausmannes Johann Jakobs aus Lehe feierlich eingeweiht. Er war 90 Jahre und 9 Monate alt und starb am 19. Mai. Im selben Sarge wurde auch ein 8 Tage altes Kind beigesetzt, von dem weiter nichts bekannt ist. Am Tage seiner Beerdigung am 25. Mai starb auch seine Frau Trienke Jakobs, geb. Kohlsaat. Sie wurde am 29. Mai neben ihm beigesetzt. Sie wurde 72 Jahre alt. Der Stein, der ihnen zu Ehren gesetzt wurde, ist noch vorhanden. Er befindet sich von dem mittleren Friedhofstor ausgehend links hinter dem Hauptquerweg. Die jetzt nicht mehr lesbare Inschrift lautete folgendermaßen:

Hier ruhen die beiden ersten Leichen
auf diesem Friedhof
Johann Jakobs
aus Lehe, alt 91 Jahre
gest. 25. Mai 1832
(es müßte heißen beigesetzt)
Katharina Jakobs
geb. Kohlsaat, alt 72 Jahre
gest. 29. Mai 1832
(es müßte ebenfalls beigesetzt heißen)

 

Auf der Rückseite des Steines steht sinnvoll folgendes:

 

Neu und alt vereinigt sich
Als der älteste Mann verblich
Dessen Leich wunderbar
Hier die allererste war
Kurz darauf ward auch seine Frau
Gleichfalls Leiche alt und grau
In dies erste Grab gesenkt
Beider man noch spät gedenkt !"

Als Verfasser dieser Inschrift vermute ich Propst Schmidt, der ja den Beinamen Reimeschmidt trug und dessen Ölbild Sie unter der Orgelempore sehen können..

Im Jahre 1863, unter der Amtszeit der Pastoren Fiedler und Heinrich Tamm, wurde der Friedhof nach Süden um 3 Scheffel, 3 Ruten und im Jahre 1880 während der Amtszeit ebenfalls der Pastoren Fiedler und Hinrich Petersen wiederum nach Süden um 54 ar erweitert.

Auf dem neuen Friedhof ruhen

  • Propst Schmidt, Amtszeit hier von 1782 -1846 = 63 Jahre,
  • Pastor Heinrich Engelbrecht, Amtszeit hier von 1803 - 1850 = 47 Jahre (der ewige Diacon, weil er nie Hauptpastor wurde, wie er so sehr gehofft hatte),
  • Pastor Heinrich Petersen, Amtszeit hier 37 Jahre, gestorben am 14. November 1902, (seine Photographie hängt im Südeingang links, er trug seinerzeit auch noch den Titel Reichsimkermeister),
  • Pastor Suhr, Amtszeit hier 37 Jahre von 1886 - 27. Februar 1922 (sein Grabstein liegt heute rechts neben dem schon genannten alten Hauptweg. Er war hier Diacon und seine wichtigste Aufgabe war während des Baues des Nord-Ostsee-Kanals die geistliche Betreuung der Kanalarbeiter im Westbezirk) und
  • Pastor Deßler, Amtszeit hier 16 Jahre, von 1910 - 1.4.1926 dann trat er in den Ruhestand. Er starb am 1. August 1930 und wurde hier in Eddelak beigesetzt).

Die alte Kapelle, die vor dem mittleren Eingang stand, wurde 1833 gebaut und eingeweiht. Sie wurde 1972 abgerissen. Der Widmungsspruch findet sich jetzt noch vor der neuen Kapelle.

Solche neuen Kapellen mussten Anfang der 70er Jahre überall mit Leichenkammern ausgestattet und gebaut werden, weil die Aufbahrung im Hause nach dem damaligen Seuchenschutzgesetz1) verboten wurde. Damals, also 1969 und 1970, baute auch unsere Gemeinde unter wesentlicher finanzieller Beihilfe der politischen Gemeinden die neue Kapelle mit angeschlossenen Leichenkammern. Entworfen wurde sie von dem Architekten Rieve2) aus Brunsbüttel.

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1 (Anm. der Red.:) Landesverordnung über das Leichenwesen, nicht Seuchenschutzgesetz.

2 (Anm. der Red.) Wiebe, nicht Rieve.

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