Albert Hinrich Burmeister und sein Kanzelaltar

Burmeister wurde um 1683 in Hamburg geboren. Anscheinend hat er das Bildschnitzen bei der Anfertigung der berühmten Hamburger Schapps erlernt. Um 1720 ließ er sich in Wesselburen nieder, heiratete dort 1732 zum zweiten Mal und starb 1760 in Armut. Bei der Planung des Altars hat nach meiner Meinung Schott mitgewirkt, der die Kirche streng symmetrisch aufgebaut haben wollte.

Lange Zeit war ich der Meinung, die seitlich über der Sakristei aufgehängten verglasten Emporen seien später hinzugefügt worden. Nachdem ich aber in Wesselburen eine ähnliche verglaste Empore gesehen habe, vermute ich, daß diese Bauform schon von Anfang an geplant gewesen ist weil durch Wegfall der Stützpfeiler der Raum vor dem Altar vergrößert wurde. Die Kanzel über dem Altar entspricht aber einem Zeitbrauch.

 

Der Pastor stand während der Aufklärungszeit über dem Altar und der Bibel, weil diese nach dem Zeitgeist der Auslegung durch den Pastor bedurfte. Das diese Form später in Hennstedt nicht wiederholt wurde, lag daran, daß einmal dort schon eine schöne Kanzel vorhanden war und andererseits der Altar wegen der geringeren Höhe der Kirche schon gar nicht als Kanzelaltar gestaltet werden konnte. Wenden wir uns nun einmal den verschiedenen Gestalten in Eddelak zu. Der linke Putto mit der Altarwange trägt Kornähren im Arm, der rechte Weintrauben im Füllhorn. Dadurch wird darauf hingewiesen, daß beim Abendmahl Brot und Wein gereicht werden. Die Bankwangen sind schön beledert, die Kniekissen vor dem Altar durchaus zweckmäßig. Die vier Säulen sind mit korinthischen Kapitellen ausgestattet und erinnern an das Drape Epitaph. Vor jedem Säulenpaar steht ein Figurenpodest. Die linke der beiden lebensgroßen Frauenfiguren hält mit der rechten Hand einen Anker und trägt auf der linken Hand eine Taube. Sie entspricht einer Beschreibung aus der friesischen Sage von dem Schiff Mannigfual und wird "Glaube" genannt. Die drei Symbole für Glaube, Liebe Hoffnung, nämlich Anker, Herz und Kreuz finden sich in dem Altar und zwar das Herz in den Schildern gleich neunfach, wobei die drei oberen Herzen gekrönt sind, das Kreuz aber findet sich in der linken Hand der rechten Figur. Die andere Hand aber reicht den Kelch des Leidens. Also ist es die Figur "Hoffnung" genannt (Sie ist auf dem Bild durch den Erntekranz verdeckt). Die Gestalt der "Liebe" sehe ich aber in der über dem Altar, in dem auferstandenen Christus mit dem Strahlenkranz, wobei ich an das Lied denke: "Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Christus offenbart." Dieselbe Gestaltung der Auferstehung findet sich übrigens auch in dem Drape-Epitaph, dort aber noch ausdrucksvoller, weil dort auch noch die Gestalten der erschrocken zurückweichenden, wachhabenden Krieger vorhanden sind. Auf dem oberen Gesimse des Altars sehen wir sechs Engelsfiguren, von denen die kleineren die Marterwerkzeuge tragen, während die linke größere Figur den Schwamm trägt mit dem Christi Leiden durch Tränken mit Essigwasser etwas gemildert wurde. Was die rechte Engelsgestalt mit der Säule ausdrücken soll, vermag ich nicht recht anzudeuten. Als oberen Abschluß sieht man die Gestalt des zum jüngsten Gericht posaunenblasenden Engels. Zwischen den beiden Säulenpaaren finden sich die beiden Akanthusranken mit eingebetteten Rosen, die man aber nur schwer erkennen kann, weil sie farblich nicht abgehoben sind. Über der reich verzierten Kanzel sieht man den heiligen Geist als goldene Taube gestaltet. Zwischen den Säulen finden sich vergoldete Muscheln. Auch gibt es am Altar neun vergoldete Engelsköpfe. Neben den Säulen findet man gelbgestrichenes Blattwerk, das so genannte Schleierwerk. Auch die Einsetzungsworte des Abendmahls, die sich als Inschrift über dem Altar finden, sind durch Schleierwerk umrahmt. Zu dem Altar zählen wohl auch noch die verglasten Seitenlogen, die vielleicht für den Kirchenvorstand gedacht waren, jedoch als Sitzplätze für die Gemeinde mit versteigert wurden. Darunter befindet sich auf der Südseite eine Sakristei für den Pastor, dem ein gleicher Bau an der Nordwand entspricht. Ich finde das Werk sehr ausdrucksvoll und kann mich der herabsetzenden Wertung Johnsens keinesfalls anschließen. Der Altar ist auch im HB-Kunstführer Schleswig-Holsteins Westen lobend hervorgehoben. Trotzdem gab es um den Altar schon von Anfang an Streit. Einmal hat Pastor Hartnack, der bis zu seinem Tode 1744 hier wirkte, die Kanzel nie betreten, weil sie ihm angeblich zu hoch war. Er ließ sich deshalb vor dem Altar ein Lesepult aufstellen, von dem aus er den Gottesdienst hielt. Allerdings bemängelte auch der Kirchenvorstand die einzelnen Figuren und verlangte Nachbesserung, was sich ebenfalls bis 1744 hinzog. Der Altar in Hennstedt wurde ebenfalls beanstandet, so daß auch dort eine Nachbesserung verlangt wurde. Darauf führe ich es zurück, daß Burmeister verarmte und 1760 verbittert starb. Das hat er nach meiner Meinung aber nicht verdient und ich freue mich jedenfalls sehr über diesen Altar und finde ständig neue Einzelheiten Daß die Altarkanzel jetzt nur bei höheren Feiertagen mit stärkerem Gottesdienstbesuch benutzt wird, geschieht, um die Besucher an normalen Sonntagen zu veranlassen, sich näher um den am Lesepult amtierenden Pastor zu scharen.

Pastors Stoßgebet!

Der Kanzelaltar hat aber ein weiteres Geheimnis, über das ich hier noch berichten möchte. Wenn der Pastor zur Predigt die Kanzel erreichen will, muß er die an der Ostwand angebrachte Treppe benutzen. Er kommt dann auf ein Treppenpodest, von dem aus er durch eine Tür die Kanzel betritt. Über dieser Tür findet sich ein lateinischer Zweizeiler, den ich hier einmal wiedergeben möchte, zumal er ja weitgehend unbekannt ist. Er lautet:

Cor, mentem, linguam, tu rege, Christe, meam!

Johnsen hat diesen Spruch etwas frei übersetzt. Zu deutsch heißt er demnach

Lenke, Christus, bei dieser Tür
Herz, auch Sinn und Zunge mir.

Ich kann mir vorstellen, daß ein junger Pastor vor seiner ersten Predigt diesen Stoßseufzer ausstößt, und jeder, der einmal öffentlich gesprochen hat, empfindet wohl ähnlich.

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