Heinrich der Löwe als Kirchengründer 1150?

Abb. a: Büste Heinrichs des Löwen auf der Grabplatte im Braunschweiger Dom (Ergänzung der Red.)

Es wäre zu schön gewesen.

Wie Neocorus berichtet, soll Heinrich der Löwe sie zu Ehren unser lieben Frauen (also als St. Marienkirche) etwas weiter südlich erbaut haben. Neocorus scheint sich da auf die Vermutung eines früheren Eddelaker Pastors verlassen zu haben.

Natürlich wäre es schön gewesen, als Gründer der Kirche den Mann nennen zu können, der unter anderen den Lübecker Dom bauen ließ. Doch wird dies schon seit längerer Zeit angezweifelt und zwar mit der Begründung, daß er hier in Dithmarschen nur wenige Jahre geherrscht hat und der Schwerpunkt seines Wirkens immer mehr in Ostholstein oder Niedersachsen lag.

 

Wie es wirklich gewesen sein könnte.

Leider gibt es auch hier keine gesicherte Nachricht über die erste Kirchengründung, doch sprechen die Tatsachen, daß die alte Kirche auf einer Warft (nicht Wurt, wie sonst in Dithmarschen üblich - denken Sie doch einfach an den alten Bauernschaftsnamen Warfen) lag, und zwar in der Mitte der Bauernschaften Averlak, Behmhusen, Dingen, Warfen und Westerbüttel. Der Weg nach der alten Taufkirche Süderhastedt war zu weit für Taufgesellschaften, Brautpaare und Trauerzüge und auch zu umständlich. Also sann man gemeinschaftlich auf Abhilfe.

Das Werk begann dann mit der Begradigung des Fleets. Mit dem Aushub wurde wahrscheinlich das noch heute daneben liegende Pastorats-, Kirchen- und Diaconatsland erhöht und die Kirchwarft aufgeworfen. Alle diese Arbeiten müssen sich zusammen mit dem Kirchenbau über mehrere Jahre hingezogen haben, und ich bin mir keinesfalls sicher, daß fürstlicher Wille hinter diesem Plan stand, sondern nehme an, daß die damals wohl nur wenigen Einwohner, gestählt durch den jahrelangen Kampf mit dem Meer, durchaus zu einer solchen Gemeinschaftsleistung fähig waren.

Wem wurde die Kirche geweiht?

Vielleicht kennen Sie die kleine Anekdote, dass ein Mädchen mit seinen Eltern in eine Kirche kommt und sie angesichts der Größe und Pracht staunend fragt: "Wer wohnt hier?" "Hier wohnt der liebe Gott", ist deren Antwort. Darauf staunt das Kind ehrfurchtsvoll: "Hat der liebe Gott aber schöne Möbel."

Da diese durch den Prunk hervorgerufene Ehrfurcht die Menschen bewogen hatte, sich vor einer direkten Anrufung Gottes zu scheuen, wandten sie sich an Stellvertreter, die Schutzpatrone und baten sie, ihm ihr Anliegen vorzutragen. Die einflußreichste Schutzpatronin war aber die Mutter des Herrn, weil die Menschen ihr weiterhin Einfluß auf ihren Sohn zutrauten. So ist es wohl zu erklären, daß ihr so viele Kirchen geweiht wurden, gibt es doch alleine in Süderdithmarschen noch zwei weitere, also insgesamt drei unter 23 Kirchen und Kapellen. Dabei fällt es auf, daß kein weiterer Name mehrfach vorkommt, und daß neuere Kirchen zum Teil keinem Heiligen mehr geweiht sind, ist doch seit der Reformation das Gottvertrauen so gewachsen, daß die Gläubigen sich im Gebet unmittelbar an ihn wenden.

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