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Predigt zur Goldenen Konfirmation 2018

 

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde,

 

es ist Mittwochabend vor der Konfirmation, die Sonne scheint und 14 Jugendliche haben sich vor der Kirche eingefunden. Manche kommen angeschlendert, andere sind superpünktlich und erzählen etwas aufgeregt von hohen Schuhen, die ungewohnt zu tragen sind, von dem Anzug, der extra gekauft wurde und dann entbrennt eine kleine Diskussion über die Tradition von Maiglöckchen. Aber dann geht es los, wir proben, wir proben die Konfirmation. Manchmal klappt das in einem Durchlauf, meistens aber benötigt man doch mehrere Versuche, damit auch wirklich jeder weiß, wann er wo hinzugehen und wo zu sitzen hat, weil am Sonntag drauf alles passen muss und alles andere nur peinlich wäre. Wenn auch vorher nicht so viel von der bevorstehenden großen Festlichkeit zu merken ist, spätestens am Abend der Stellprobe sind die Konfirmanden aufgeregt und merken, dass es nun soweit ist und es eigentlich kein Zurück mehr gibt. Ich mag diese besondere Atmosphäre, wenn allen Beteiligten plötzlich klar wird, dass das wichtig ist, dass man sich nicht blamieren will und es irgendwie bedeutsam ist für das eigene Erwachsenwerden. Das ist – besonders bei Heranwachsenden – ein spezieller Moment. 

 

Und nun feiern wir heute Ihre Goldene Konfirmation, ganz ohne Stellprobe vorher und ohne Konfirmandenunterricht, denn den haben Sie alle schon längst hinter sich. Aber so ein Jubiläum bietet immer wieder die Gelegenheit sich an das Zurückliegende zu erinnern. Da stellt sich von Anfang an doch die Frage: Weißt du noch? Erinnerst du dich noch an dieses und jenes? 
Wie war das denn damals bei Ihnen? Gab es da auch so eine Stellprobe vorher? Mussten Sie noch eine Prüfung bestehen – vor der ganzen Gemeinde zeigen, was Sie während des Unterrichts gelernt haben? Und dann, was hatten Sie bei Ihrer Konfirmation an? Ein weißes Kleid? Einen schicken schwarzen Anzug? Und sicherlich gibt es auch das ein oder andere Bild, auf dem Sie mit Maiglöckchen und Bibel auf dem Schoß in die Kamera lächeln. Vielleicht haben Sie zuhause in Vorfreude auf das Wiedersehen ja in den alten Fotoalben gekramt oder an so manche Begebenheit aus dieser Zeit gedacht. Wer weiß.

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Sie vor 50 Jahren aufgeregt und nervös in den ersten Bankreihen der Kirche saßen, vielleicht nur gerade so mitbekamen, wovon der Pastor da vorne gesprochen hat und froh und erleichtert waren, als Sie das Hinknien und Aufstehen ohne Blamage hinbekommen haben. Also war das vielleicht gar nicht so viel anders damals, als es heute ist. 
Und doch war es eine andere Zeit. Es war die Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche und Unruhen vor allem in den Großstädten, aber auch auf dem Land, weil man nicht mehr all das machen wollte, was die Eltern vorschrieben und als Lebensideal vorsetzten. Es war die Zeit der Studentenbewegungen und Notstandsgesetze. Es war die Zeit, als man sich in Deutschland daran gewöhnen musste, dass das Land durch eine Mauer geteilt wurde. Es war die Zeit der ersten Großen Koalition im Bundestag. Es war die Zeit des Vietnamkriegs, des Sechstagekriegs, der Attentate auf Martin Luther King und John F. Kennedy und tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke.
Es war aber auch die Zeit der Rolling Stones, der Bee Gees, von Elvis Presley und natürlich der Beatles. Immerhin behauptete John Lennon damals, dass die Beatles berühmter wären als Jesus. Es war die Zeit des Farbfernsehens, von Heintje Filmen und Loriot Sketchen. 

 

Sie haben allerdings Ihre ganz eigenen Erinnerungen an jene Jahre, die mehr sind als bloße Schlaglichter der Geschichte, die vor allem auch persönlicher und individueller sind.
Denn es war auch die Zeit, als Sie erwachsen worden und werden mussten, weil die Konfirmation nicht nur ein kirchliches Fest, sondern zugleich auch für viele von Ihnen der Schulabschluss war und damit den Startschuss für Ihr Berufsleben gab. Selbständigkeit, Verantwortung, Selbstversorgung – eben Erwachsensein und eigene Entscheidungen mit den dazugehörigen Konsequenzen treffen müssen. Ich vermute, jeder und jede von Ihnen könnte mir dazu eine ganz eigene Lebensgeschichte aus dieser besonderen Zeit erzählen. Vielleicht können Sie sich auch noch daran erinnern, wie es war, damals hier zu sitzen und nicht zu wissen, was passieren wird, was das Leben für Sie bereithält – jetzt, da Sie alle so plötzlich erwachsen werden sollten. 

 

Dabei waren Sie noch so jung und hatten Träume, wollten dies oder das werden, wollten frei sein und vor allem Ihre Freiheit genießen, wollten die große Liebe finden und vielleicht eine Familie gründen, oder sich doch erst einmal ausprobieren, selbst verwirklichen und hinaus in die weite Welt ziehen. Ich weiß es nicht und kann es nur erahnen. Zumindest vermute ich, dass Sie – genau so wie die Konfirmanden heutzutage – voller Lebensfreude und auch mit einem gewissen Lebenshunger hier in den Kirchenbänken saßen und vielleicht haben Sie sich damals auch gewünscht, dass dieser Segen, der Ihnen da zugesprochen wurde, Sie immer begleiten möge und Ihnen dadurch nichts passieren kann und Ihnen damit alle Möglichkeiten offen stehen. Ehrlich gesagt: ich hoffe es! 
Und noch viel mehr hoffe ich und wünsche ich Ihnen, dass Sie den Glauben als eine wichtige Stütze in Ihrem Leben erfahren haben und weiterhin erfahren. Ich hoffe, dass Sie selbst in den dunkelsten Stunden Ihres Lebens Gottes Nähe spüren können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie an der Hoffnung auf ein friedliches, ewiges Leben bei Gott festhalten können, selbst wenn es angesichts all des Leids auf der Welt fast unmöglich scheint. Ich hoffe, dass Sie spüren können, was der Konfirmationssegen Ihnen damals an der Schwelle Ihres Erwachsenwerdens und was er Ihnen heute erneut zusagt:
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist schenke dir seine Gnade, 
Schutz und Schirm vor allem Bösen
Hilfe und Stärke zu allem Guten,
auf das du bewahrt werdest hin zum ewigen Leben. 

Amen.

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