Predigttexte

Predigt aktuell

Jeremia 31, 31 - 34:

 

»Gebt Acht!«, sagt der HERR. »Die Zeit kommt, da werde ich mit dem Volk von Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließen. Er wird nicht dem Bund gleichen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihnen doch ein guter Herr gewesen war. Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein«, sagt der HERR. »Niemand muss dann noch seinen Nachbarn belehren oder zu seinem Bruder sagen: 'Lerne den HERRN kennen!' Denn alle werden dann wissen, wer ich bin, von den Geringsten bis zu den Vornehmsten. Das sage ich, der HERR. Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Schuld denken.«

Predigt zu Jeremia 31, 31- 34 am Sonntag Exaudi

 

 

Liebe Gemeinde,

 

vor einigen Jahren machte der Musiker Peter Fox Furore mit seinem Lied „Alles neu“, in dem er zu kräftigen Bässen berichtete, wie er aus seinem alten Trott ausbrechen und alles in seinem Leben neumachen würde. Da heißt es unter anderem:
„Ich jag meine Bude hoch, alles was ich hab lass ich los
Mein altes Leben, schmeckt wie 'n labbriger Toast
Brat mir ein Prachtsteak, Peter kocht jetzt feinstes Fleisch
Ich bin das Update, Peter Fox 1.1
Ich hab meine alten Sachen satt und lass sie in 'nem Sack verrotten
Motte die Klamotten ein und dann geh ich nackt shoppen“

 

Wäre das nicht großartig? Wenn wir einfach so alles hinter uns lassen könnten. Einfach ein Update machen. Neu anfangen, neu aufbauen, neu werden, alles einfach neu! 
Endlich könnten wir aus unserer Routine ausbrechen, endlich könnten wir aufatmen und frei sein. Von so etwas Neuem handelt auch der heutige Predigttext aus dem Alten Testament. Jeremia ist ein Prophet und sagt seinen Zuhörern alles das, was Gott ihm aufgetragen hat und darunter ist auch die Zusage Gottes für einen neuen Bund. 


Gott sagt: 
„Die Zeit kommt, da werde ich mit dem Volk von Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließen. Er wird nicht dem Bund gleichen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihnen doch ein guter Herr gewesen war. Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben.“ 

Das Wort „Bund“ ist heutzutage nicht mehr ganz so geläufig. Da reden wir vom Bund der Ehe oder vom Bund und meinen damit die Bundeswehr. Aber Bund als Wort für einen Vertrag, das ist eher ungebräuchlich. Es ist auch ein besonderer Bund, den Jeremia da seinen Zuhörern verheißt. Es ist ein Bund mit Gott. Gott will einen Bund mit den Menschen schließen. Er will sich also an die Menschen binden und die Menschen wiederum sollen sich an Gott binden. Das klingt zunächst ziemlich streng, gerade auch im Zusammenhang mit Wörtern wie Gesetz und bei der Hand herausführen und Bund brechen.

 

Aber Gott verheißt hier einen neuen Bund, der eine Besonderheit aufweist: 
„Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Niemand muss dann noch seinen Nachbarn belehren oder zu seinem Bruder sagen: 'Lerne den HERRN kennen!' Denn alle werden dann wissen, wer ich bin.“ 

Gott will uns sein Gesetz in unser Herz schreiben, man könnte auch etwas bildhafter und doch abstrakter sagen, Gott schreibt uns auf unsere Herzhaut. Wenn etwas auf unsere Herzhaut geschrieben wird, dann geht es uns unter die Haut, berührt uns so tief, dass wir es nicht einfach wieder abwaschen oder wegwischen könnten. Was auf unserer Herzhaut steht, das berührt und bewegt uns im Innern. Das treibt uns um, das treibt uns an, das lässt uns nicht wieder los. Und genau das will Gott. 

 

Sein Gesetz soll uns so tief berühren und dadurch nachhaltig prägen, damit wir unser Leben danach ausrichten können. Denn es hat sich herausgestellt, dass wir Menschen dazu neigen, Gesetze und Regeln nicht einzuhalten − selbst dann nicht, wenn sie für uns nützlich und lebensnotwendig sind. Deshalb geht es bei der Erneuerung des Bundes nicht um Bekehrung oder Umkehr in einem moralischen Sinne, sondern vielmehr um eine „Neuschöpfung“ des Menschen. Nicht der Mensch muss neu anfangen, sondern Gott fängt noch einmal neu an. Drückt sozusagen den Reset-Knopf und macht ein Update. Der alte Bund – obwohl in Stein gemeißelt und unumstößlich – ist immer wieder gebrochen worden und wird immer wieder gebrochen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Doch was auf Stein geschrieben steht, dringt nicht zu uns durch. Wir Menschen bringen es nicht fertig, uns daran zu halten. Aber Gott hat ein Einsehen. Gott muss es uns ins Herz schreiben, auf die Herzhaut, damit es durchdringen kann, damit es uns bewegt.

 

Aber wie kommt etwas auf unsere Herzhaut? Wie wird uns Gottes Gesetz auf die Herzhaut geschrieben? Es passiert täglich. Immer da, wo uns etwas unter die Haut geht, etwas tief berührt und bewegt. Und das geschieht immer wieder und wird immer wieder geschehen, denn niemand kann so tun, als sei er unverletzlich. Ein Leben, das von Verlust, Abschied, Trauer und Verletzungen verschont ist, gibt es nicht. Wir erleben viel öfter, dass wir im Strom des Lebens umhergetrieben werden, wir untergehen, weggeschwemmt werden, ausgegrenzt und verurteilt werden, Unrecht erleiden oder nie so wahrgenommen und geliebt werden, wie wir es brauchen. Ein Leben ohne Tränen und Schmerz gibt es nicht.
Tränen, so heißt es, reinigen die Seele. Tränen durchnässen uns bis auf die Herzhaut. Es sind Tränen der anderen und unsere eigenen. Daran können wir erkennen, wie bedürftig wir sind, wie gefährdet, wie verwundbar und vergänglich. Und genau diesem verwundbaren, verängstigten und bedürftigen Menschen wendet sich Gott zu. 

 

Gott sieht uns Menschen an, sieht unsere Schmerzen und Fehltritte. Aber er nimmt sie uns nicht weg, denn sie gehören zu uns und machen uns aus. Wir erfahren immer wieder Schweres, müssen Leid aushalten und verlieren allzu oft geliebte Menschen. Doch wir gehen weiter, schreiten auch durch dunkle Zeiten voran und gelangen irgendwann wieder zum Licht. Es gibt kein Leben ohne Brüche darin. Es gibt kein Leben, das spiegelglatt und unversehrt ist. Es gibt kein Leben ohne Tränen und Verletzungen. Wir wissen das. Wir erfahren das und wir erleben genau das. Und doch bleibt da der Wunsch in uns nach Mehr, eine Sehnsucht, die tief in uns steckt, eben weil sie uns auf unsere Herzhaut geschrieben wurde. Ein Verlangen nach Gott, nach Licht, nach Heilung. 

 

Und genau in diese Sehnsucht hinein verspricht uns Gott einen neuen Bund und lässt Hoffnung in uns wachsen. Aber noch warten wir, müssen das Bruchstückhafte unseres Lebens aushalten, werden durchnässt von Tränen und geben dennoch nicht auf. Denn am Horizont taucht immer wieder dieser Hoffnungsschimmer auf, der den Namen Jesu Christi trägt. In Jesus Christus, der das Urbild des gewandelten neuen Menschen ist, zeigt sich deutlich: Durch Leiden und Kreuz geht der Weg ins Leben. Kreuzestod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. Wenn wir daran glauben und diese Hoffnung nicht verlieren, können wir auch dunkelste Zeiten durchschreiten und dennoch spüren, dass wir leben – trotz all der Tränen, der Angst, der Schmerzen und Verzweiflung. Weil wir dann spüren, was uns unter die Haut geht, was auf unsere Herzhaut geschrieben ist, was unser Leben trägt und was wir wirklich brauchen. 

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?“


Amen.

 

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