Predigttexte

Predigt aktuell

Hebräer 4, 12-13:

 

Denn das Wort Gottes, das verheißt und richtet, ist lebendig und wirksam und schneidender als irgendein doppelt geschliffenes Schwert. Es trennt Seele und Geist, Mark und Bein mit seiner Schärfe und legt die Bestrebungen und Gedanken des Herzens bloß.

Niemand ist ihm verborgen, hüllenlos nackt, offen und wehrlos liegt alles, was lebt, vor seinen Augen. Vor ihm sind wir verantwortlich.

 

Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis - zum Thema "Wort Gottes"

 

 

Liebe Gemeinde,

haben Sie schon einmal das Experiment gewagt und Ihren Lieblingsfilm ohne Ton geschaut? Ich habe das in Vorbereitung auf diese Predigt getan und dabei ernüchtert festgestellt, dass es nur halb so schön ist.

Eine Geschichte nur mit Bildern zu erzählen, kann gelingen, kann ebenso begeistern, aber für mich werden viele Geschichten durch Dialoge, Gefühlsausbrüche, Missverständnisse und Erklärungen noch interessanter und lebendiger.

Hier wird deutlich, Sprache in ihrer Vielfältigkeit bereichert unser Leben.  Mithilfe von Worten drücken wir uns aus: sagen unsere Meinung, teilen unsere Erinnerungen, flüstern uns Geheimnisse zu und offenbaren unsere Gefühle. Und mithilfe von Handlungen und Gesten unterstreichen wir das Gesagte noch einmal, wenn wir zum Beispiel einladend unsere Arme ausbreiten oder durch Berührungen trösten wollen.

 

Worte haben es in sich! Da gibt es welche, die Kraft spenden und Mut machen: Du schaffst das!, oder: Ich glaube an dich!

Da gibt es andere, die wärmen können und glücklich machen: Ich liebe dich, ich mag dich. Und auch die, die verletzen und verstören: ich will dich nicht mehr sehen, ich hasse dich!

 

Ja, Worte haben es in sich. Sie können eine ungeheure und manchmal auch ungeahnte Kraft freisetzen. Und viele solcher Worte verwahren wir in uns auf. Denken Sie nur einmal daran, wann Ihnen das letzte Mal jemand etwas Nettes gesagt hat und wie sich das angefühlt hat. Oder wann Sie das letzte Mal mit Worten getroffen worden. Ich bin mir sicher, dass Ihnen sofort etwas einfällt. All diese Worte sind in uns und zu bestimmten Gelegenheiten kommen sie hervor oder wir holen sie sogar hervor.

 

So ähnlich wie bei Frederick der kleinen Feldmaus aus dem berühmten Kinderbuch. Frederick wohnt mit seiner Familie in einer Höhle in einer Steinmauer und während alle anderen Vorräte für den anstehenden Winter sammeln, sitzt Frederick auf der Mauer und schaut sich um. Die übrigen Feldmäuse fragen Frederick natürlich: „Warum arbeitest du nicht?“ Und Frederick antwortet: „Ich arbeite doch, ich sammle Sonnenstrahlen.“ Und so vergeht die Zeit und Frederick sammelt weiter – erst Sonnenstrahlen und dann Farben. Und einmal liegt Frederick auf der Wiese und sieht so aus, als ob er eingeschlafen ist. „Träumst du, Frederick?“, fragen da die anderen Feldmäuse vorwurfsvoll. Und Frederick antwortet: „Aber nein, ich sammle Wörter. Es gibt viele lange Wintertage und dann wissen wir nicht mehr, worüber wir sprechen sollen.“

 

Sie wissen vermutlich, wie die Geschichte endet. Alle Vorräte in der Feldmaushöhle sind nach und nach aufgebraucht, die Stimmung wird immer trister, denn keiner redet mehr. Aber dann kann Frederick mit seinen Vorräten an Sonnenstrahlen, Farben und Wörtern die Herzen der Feldmäuse wärmen und erfreuen und so kommen alle gut durch den Winter.

Ebenso wie Frederick häufen auch wir einen Wortvorrat an, ein Vorrat, der Erinnerungen, Gefühle und Eindrücke unterschiedlichster Art enthält.

 

Um ein Wort der besonderen Art geht es im heutigen Gottesdienst, nämlich um das Wort Gottes, das lebendig und wirksam ist.

Worte haben es in sich und dieses ganz besondere Wort, das Wort Gottes, hat davon noch viel mehr. Es ist lebendig und wirksam. Und wir finden dieses besondere Wort in der Bibel. Darin wird direkt am Anfang davon berichtet, dass Gott die Welt mit Worten erschaffen hat, „und Gott sprach, es werde Licht….“ Und dann sind in der Bibel auch Lebensgeschichten von unterschiedlichen Menschen versammelt, die davon erzählen, wie Gott zu diesen Menschen und in ihr Leben hineingesprochen hat. Zum Beispiel zu Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Oder zu einem ganzen Volk: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

 

Worte haben es in sich und noch viel mehr, wenn sie von Gott kommen. Diese Worte sollen trösten, heilen und Mut machen. Sie fordern auf, weisen zurecht, eröffnen neue Perspektiven oder erschaffen sogar unsere Welt.

 

Vorhin habe ich gesagt, dass ich Geschichten in Filmen spannender und lebendiger finde, wenn Sprache, ja Worte hinzukommen. Und so ist es auch mit der Geschichte von Gott und uns Menschen. Hier gilt auch, dass Handlungen und Worte die Geschichte lebendiger machen. Und genau das ist passiert, als Gottes Wort lebendiger und wirksamer wurde als jemals zuvor: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Am Anfang des Johannesevangeliums steht es also, Jesus Christus ist das lebendig gewordene Wort Gottes. Er erzählt von Gott und zeigt uns durch sein Leben und Handeln Gottes Liebe zu uns Menschen.

 

Worte haben es in sich, aber noch viel eindringlicher, lebendiger und wirksamer ist das Wort Gottes. Es kann unser Leben verändern. Und auch das Wort Gottes können wir sammeln und sogar einen Wortvorrat davon anlegen. Denn diese Worte können uns trösten, glücklich machen, ermutigen und heilen. So ein Wortvorrat ist besonders an dunklen Tagen, wenn es uns an Zuspruch und Zuversicht fehlt, wohltuend und stützend. Wenn wir uns einsam fühlen, wenn wir nicht wissen, was noch kommen soll, wenn wir um jemanden trauern, wenn wir mutlos werden. Dann können uns gut gefüllte Wortvorratskammern helfen, in denen wir all die tröstenden, stärkenden, lieben und glücklich machenden Worte gesammelt haben. Sie können uns Zuversicht und Zuspruch sein, denn Gott hat sie uns zugesprochen.

 

Manchmal ist von Anfang an auch schon ein Wort Gottes in Form eines Taufspruchs in unserem Vorrat drin. Oder auch der Konfirmationsspruch kann den Vorrat bereichern. In schwierigen Lebenslagen können diese Worte uns ermutigen und noch einmal vor Augen führen, dass es einen gibt, der für uns da ist und mit seinem Wort in unser Leben sprechen möchte. Der uns anspricht, damit wir auch Worte finden und antworten können.

 

Liebe Wortsammlerinnen und Wortsammler,

zwei Sätze aus meinem Wortvorrat haben Sie im Verlauf der Predigt schon gehört und vielleicht gleich eingesammelt, nun möchte ich mit einem weiteren Bibelwort enden, das mich seit der Konfirmation begleitet und mich immer wieder anspricht, ermuntert und ja auch aufbaut:

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Amen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Eddelak