Predigttexte

Predigt aktuell

Lukas 12, 15-31:

 

Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

 
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller und keine Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wie viel besser seid ihr als die Vögel! Wer ist unter euch, der, wie sehr er sich auch darum sorgt, seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte? Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr euch um das andre?
Seht die Lilien an, wie sie wachsen: sie spinnen nicht, sie weben nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen! Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft. Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen.

 

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen.

Predigt am Erntedankfest

 

 

Liebe Gemeinde,

immer wenn ich in letzter Zeit mit dem Fahrrad im Gemeindegebiet unterwegs war, um Besuche zu machen oder dieses oder jenes zu erledigen, kam ich nicht drumherum, mich an der Landschaft und auch an der Landwirtschaft zu freuen. Ich komme ursprünglich aus einer Region, in der viel Bergbau getrieben wurde, wo sich noch immer viele Halden finden und es jetzt erst nach und nach zu einer Rekultivierung und Renaturierung der Landschaft kommt. Da ist es für mich schon etwas Besonderes, wenn ich durch Eddelak, nach Dingen oder Averlak fahre oder auch nach Westerbüttel und Blangenmoor-Lehe. Ich freue mich an den Feldern und Äckern, an den Schafen und Kühen am Wegesrand und der Geschäftigkeit, mit der all das Land und die Tiere gepflegt, bewirtschaftet und versorgt werden. 
Und dann höre ich den Predigttext aus dem Lukasevangelium und bin verwirrt. 
Es ist Erntedank, die Ernte ist eingeholt, der Altar ist geschmückt mit Erntegaben, in so mancher Vorratskammer stapeln sich die Einmachgläser und dann heißt es: 
Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? 

Der reiche Kornbauer, von dem das Gleichnis erzählt, ist mir im Grunde sogar sympathisch. Ich kann auf den ersten Blick auch nicht erkennen, was er falsch gemacht hat. Er erntet, baut Scheunen und füllt sie bis oben hin. Und dann sagt er: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre, habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“ 
Was ist daran falsch? Das ist doch ein ganz verständliches Lebenskonzept. Ich spare fürs Alter, lege Bausparverträge an und sorge vor. Das ist heute doch ganz normal und wird sogar gefordert in Zeiten von Altersarmut, demografischem Wandel und Minijobs. Es ist ja nicht mal so, dass der reiche Kornbauer immer mehr und immer mehr haben wollte, nein, er erntet und sammelt zusammen, setzt sich dann zur Ruhe und stirbt. Ein ziemlich drastisches und dramatisches Ende des Gleichnisses, das Jesus da erzählt. Ein Ende, was so gar nicht zu diesem Festtag passen mag und die schöne Erntedank-Stimmung trübt. Und als Erklärung wird nur gesagt: So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. 

Soll das also heißen: Tschüss private Altersvorsorge! Tschüss Depots und Bausparverträge! 
Kein Sammeln und Sparen mehr, keinen Vorrat anlegen, sondern einfach die Dinge laufen lassen und gucken, was kommt?
So einfach ist es wohl nicht, das wissen wir alle. Das wird uns immer wieder und wieder gesagt und wir sehen es auch in den Nachrichten. Über 800 Mio. Menschen hungern weltweit. Auch hier in Deutschland kann sich nicht jeder ausreichend versorgen. Mieten steigen, der Lebensunterhalt wird teurer und nicht jeder kann von seiner Arbeit oder Rente leben. Da muss man doch sparen und vorsorgen. Da muss man doch Vorräte anlegen und darf nicht faul sein. Das muss man doch… oder? 
Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. 

Heute ist Erntedank. Wir sind hier in der Kirche versammelt, weil wir Gott dafür danken wollen, dass er uns so reich beschenkt hat und wir ernten konnten und Vorräte anlegen für den Winter. Und daran ist nichts falsch. Wir sind keine Närrinnen und Narren, wir sind Menschen, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen, die sich ein Haus bauen, einen Garten anlegen und Vorräte für den Winter sammeln. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, wem wir das zu verdanken haben und dass wir nicht allein sind. Unsere Seele – wie es im Gleichnis heißt – wird keine Ruhe finden, wenn es einzig nur darum geht, sich selbst abzusichern gegen alle Eventualitäten. Denn gegen den Tod hilft eine solche Absicherung nicht. Angesichts existentieller Umbrüche und Einschnitte in unserem Leben kann uns kein Geld der Welt und keine vollen Scheunen helfen. Wenn wir schwer krank werden, einen geliebten Menschen verlieren, unter Gewalt leiden, in eine Sinnkrise geraten oder einsam sind, dann brauchen wir Menschen an unserer Seite, dann brauchen wir Gott an unserer Seite und in unserem Leben. Dann stellt sich nämlich die Frage: sind wir, bin ich reich bei Gott?

Wir sind Menschen, die ein Haus bauen, einen Garten anlegen und Vorräte für den Winter sammeln. Wir wollen nicht abhängig oder auf das Wohlwollen anderer angewiesen sein. Vielleicht haben wir sogar Angst vor der Zukunft und wollen uns deshalb mit vollen Scheunen absichern. Vielleicht lassen uns diese Ängste und Sorgen nicht mehr schlafen oder lähmen uns, lassen uns nicht nach rechts und links schauen, sondern nur unsere eigene Situation sehen: die eigene Scheune und der eigene Vorratskeller sollen gut gefüllt sein. Aber dann sind wir nicht reich bei Gott. Dann können wir uns nicht von Gott beschenken lassen und uns an unserem Leben und den Menschen, die uns umgeben, freuen. Dann werden Angst und Sorge unsere ständigen Begleiter und hindern uns am Leben teilzunehmen. Die Geschichte vom reichen Kornbauern erinnert uns daran, dass auch das Errichten von großen Scheunen und das Schaffen materieller Werte keine Garantie dafür
bietet, ein erfülltes Leben zu haben. Und ein erfülltes Leben meint doch mehr als ein Leben, das nur ausgefüllt ist mit Arbeit. Ein erfülltes Leben ist angefüllt mit Freude, Liebe und Sinn und beinhaltet auch andere Menschen, Mitmenschlichkeit und das Sorgen für andere, nicht nur für sich selbst. 
Dann sind wir keine Närrinnen und Narren, sondern reich bei Gott. 
Amen.

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