Predigttexte

Predigt aktuell

Matthäus 10,38-42:

38 Da antworteten Jesus einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen.
39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona.
40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lukas 10,38-42:

38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.

39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!

41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.

42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lukas 7,7-10:

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?
10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt zu Matthäus 10,38-42
Sonntag der Passionszeit (Reminiszere), 12.03.2017
mit den Taufen von Mattes Emil E., Merle K. und Wencke S.

 

Sie wollten Beweise, liebe Gemeinde, liebe Tauffamilien. Sie, das waren die Pharisäer und die Schriftgelehrten, also die Würdenträger und Mächtigen im Volk Israel. Sie wollten Beweise von Jesus. Beweise dafür, dass er wirklich der ist, auf den alle warten. Der Erlöser. Der Retter. Der Sohn Gottes. Allein seinem Wort zu glauben, das war ihnen zu wenig. Das wollten sie nicht. Das konnten sie nicht.

Ich will den Pharisäer und Schriftgelehrten sehr gerne unterstellen, dass sie das in bester Absicht getan haben, vor allem um ihren Glauben an den Gott, der sie aus der Gefangenschaft in Ägypten geführt und der sie ins Gelobte Land geführt hat, um ihren Glauben an den Gott ihrer Väter und Mütter zu beschützen und zu bewahren, vor Scharlatanen und Betrügern, die die Leichtgläubigkeit ihrer Mitmenschen ausgenutzt haben. Und doch führt dieser Einsatz für ihren Glauben und ihren Gott dazu, dass sie blind und taub und hartherzig werden. Das führt dazu, dass sie nicht glauben können, dass Gott eben gerade nicht in einem starken, reichen und mächtigen Mann in diese Welt kommt, sondern in einem Kind armer Eltern, einem Mann aus den ärmeren Schichten des Volkes, die keinen Einfluss auf die Politik, die keine Macht haben, sondern ohnmächtig und hilflos sind. Gott kommt in einem hilflosen, schwachen, armen Mann in diese Welt. Und gerade das konnten sie sich nicht vorstellen. So soll der aussehen, der Gottes Sohn ist und der der Retter und Erlöser sein soll? Nie und nimmer. Und so stand ihr Urteil fest: Jesus ist auch nur einer von diesen Schwindlern, Scharlatanen und Betrügern. Und die gilt es zu entlarven und bloß zu stellen. So stellen sie Jesus wieder einmal eine Falle.

"Da antworteten Jesus einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen."
Auf den ersten Blick klingt das doch völlig normal und selbstverständlich. Und wer von uns könnte ihnen diesen Wunsch und diese Frage verübeln. Im Grunde genommen denken viele von uns doch genauso. Wir brauchen Beweise. Wir brauchen eindeutige Zeichen. Ich glaube nur dass, was ich wirklich sehe und beweisen kann. Alles andere ist doch viel zu unsicher. Ich will eben nicht nur daran glauben, dass es Gott wirklich gibt und dass nach dem Tod noch etwas kommt. Ich will es wissen. Ich will mir sicher sein. Ich will nicht immer wieder mit den Zweifeln und Ängsten und Unsicherheiten leben. Ich will Klarheit und Sicherheit.Also Gott, was ist denn so schlimm daran,? Was ist so schlimm daran, dass ich Beweise für deine Existenz will? "Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen."


Mal ganz ehrlich, liebe Gemeinde, liebe Tauffamilien, eigentlich müsste das doch für Gott eine Kleinigkeit sein, ein Klacks. Eigentlich müsste Gott sich doch nur einfach einmal zeigen, und zwar so, dass es allen klar vor Augen geführt wird, dass es Gott wirklich gibt und dass er so ist wie wir es in der Bibel lesen und wie Jesus von ihm erzählt hat. Warum also weigert sich Jesus? Warum weigert sich Gott?
Zunächst, liebe Gemeinde, weigert sich Gott ja gar nicht. Im Gegenteil gibt es doch schon viele Zeichen seiner Nähe und seiner Liebe. Und heute sehen wir mindestens drei solcher Zeichen: Mattes, Merle und Wencke. Allein dass die drei leben und dass es die drei gib, sind Zeichen für die Existenz Gottes. Und dass wir die Drei heute Vormittag an unserem Taufbecken taufen, ist ein Zeichen der Nähe und der Menschenfreundlichkeit Gottes. So wie die ganze Schöpfung ein Hinweis auf Gott und seine Existenz und seine Menschenliebe ist. So wie die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten ein Hinweis auf Gott, seine Existenz und Nähe war und ist. So wie Jesus ein Hinweis auf Gott war und immer noch ist.
Aber ich bin mir ganz sicher, dass das nicht alle von uns so sehen können und wollen. Die Schöpfung ist nicht für uns alle ein Beweis für die Existenz Gottes. Nicht für alle muss ein Gott hinter der Schöpfung stehen, kann doch alles auch ein Zufall sein. Dass es diese Welt gibt, dass es uns gibt, dass es dieses vielfältige Leben gibt. Zufall, Schicksal, eine Laune der Natur, was weiß ich. Alles, nur nicht irgendein Gott. Und warum sollte die Befreiung aus Ägypten ein Beweis, ein Zeichen, ein Hinweis sein? Mose war eben ein geschickter Anführer und die Zeit war reif dafür, dass die Ägypter das Volk Israel nicht mehr festhalten  und einsperren konnten. Und Jesus, warum sollte er Gottes Sohn gewesen sein? Er war eben ein begabter Redner, hatte Charisma und eine ganz besondere Ausstrahlung. Und da haben die Menschen ihn eben zu Gottes Sohn gemacht.

Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Das Verhältnis zwischen Gott und uns, bzw. zwischen uns und ihm ist keine Sache des Wissen, des Beweisens, der Wissenschaft. Es geht um den Glauben. Es geht um Vertrauen. Es geht um Hoffnung. Es geht um Liebe. Und das lässt sich alles eben gerade nicht beweisen. Kein Ehemann, keine Ehefrau kann von der Partnerin oder vom Partner einen Liebesbeweis fordern. Liebe kann nur geglaubt und gelebt werden. Nie eingefordert werden. Nie bewiesen werden. So wie es für die Liebe zwischen Eltern und Kindern keinen Beweis geben kann, sondern im Alltag gelebt wird und werden muss, sich im Alltag zeigt und zeigen muss.
 
Wie hältst du es mit dem Glauben? Das ist die Frage, die uns der heutige Predigttext stellt. Gott liefert uns keine Beweise seiner Nähe und seiner Liebe, nur deutliche, spürbare und sichtbare Hinweise. Glauben entsteht nicht dadurch, dass wir 100%ig von seiner Existenz überzeugt werden.  Glauben will und muss gewagt werden. Glauben heißt sich einlassen. Sich auf den Weg machen. Glauben wagen. Zum Spurensucher werden. Gottes Spuren in unserem Leben suchen. Wer sich auf diesen Weg einlässt, der wird Gott erleben und spüren und erfahren. 100%igen Glauben gibt es dabei nicht. Glauben ist eben gerade nicht gleichbedeutend mit Wissen. Zum Glauben gehören, Zweifel und Fragen.

Mattes, Merle und Wencke stehen am Anfang ihres Lebensweges und ihres Glaubensweges und noch kann niemand von uns sagen, für welchen sie sich entscheiden werden und welche Rolle Gott, Jesus, die Kirche, der Glaube in ihrem Leben spielen werden. Aber wir Christen glauben, vertrauen und hoffen fest darauf, dass heute Vormittag Gott mitten unter uns ist, wenn wir den Beginn ihres Lebens, ihre Geburten und ihre Taufen feiern. Beweisen kann und will ich das nicht. Aber ich will uns einladen, das Wagnis einzugehen und das zu glauben. In Mattes, in Merle und in Wencke begegnet uns Gott. In ihrer Taufe begegnet uns Gott. Und auch die Taufsprüche der Drei laden uns ein, dieses Glaubenswagnis einzugehen:
Mattes: "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1.Johannes 4,16)
Merle: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ (1.Korinther 13,13)
Wen (Josua 1,9)
Da wird kein Beweis gefordert, da wird geglaubt, da wird fest und mutig auf Gott vertraut.
"Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“
 "Sei mutig und stark! Fürchte dich also nicht, und habe keine Angst, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst."

Und auch die Erfahrungen, die ihr, liebe Tauffamilien, mit euren Kindern gemacht habt, laden aus meiner Sicht dazu ein, mutig zu glauben und darauf zu vertrauen, dass Gott ein Freund und Partner für eure Kinder und für euch selbst sein will und sein wird, an den sich Mattes, Merle und Wencke wenden können. Jeden Tag. 24 Stunden rund um die Uhr.

Es war ihr Wunsch, Natalie und Jasper, dass sie die Schwangerschaft mit und die Geburt von Mattes erleben können. Ihr erstes gemeinsames Kind. Nachdem sie, Natalie, mit Naila und Jona zwei Kinder mit in die Ehe gebracht haben. Es war kein einfacher Weg bis sie endlich Mattes in ihren Armen halten konnten. Da gab es vorher schwierige Zeiten und manche Enttäuschung zu überstehen, so dass sie in die Schwangerschaft mit Mattes schon mit Sorgen und Ängsten gingen. Doch mehr und mehr zeigte sich, dass es dieses Mal gut gehen würde. Die Schwangerschaft verlief völlig problemlos, außer dass sie bereits ab dem 6. Monat viele Wehen hatten. Auch die Geburt verlief reibungslos und vor allem schnell, so dass sie das Krankenhaus ganz schnell wieder verlassen und nach Hause zurückkehren und zwei Geburtstage gleichzeitig feiern konnten.
Dagegen hatte und hat Mattes gewisse Probleme mit dem Ankommen in dieser Welt und in ihrem Zuhause. Und auch heute schläft er noch nicht durch. Dagegen klappte das Stillen die ersten vier Monate richtig gut, mittlerweile stillen sie ein Mal in der Nacht, während Mattes am Tag schon die Flasche braucht, um satt zu werden. Aber Mattes braucht schon eine gewisse Aufmerksamkeit und fordert sie schon ganz schön, so dass es auch schon mal anstrengend werden kann. Da sie, Jasper, beruflich oft und lange in der ganzen Welt unterwegs sind, müssen sie, Natalie, den Hauptteil leisten. Zum Glück sind Naila und Jona schon ein wenig aus dem Gröbsten raus und können ihnen schon ganz gut zur Hand gehen. Und - Gott sei Dank - verstehen sich die Drei auch noch ganz gut. Vor allem aber sind sie glücklich und dankbar dafür, dass neben Naila und Jona nun auch Mattes zu ihrer Familie und ihrem Leben dazu gehört. Und ein Leben ohne ihn können und wollen sie sich nicht vorstellen.

Und das gilt auch für sie, Miriam und Lars. Merle ist auch ihr erstes gemeinsames Kind. Und auch sie, Miriam, haben mit Niklas einen großen, bzw. älteren Bruder mit in die Ehe gebracht. Und auch sie haben sich ihr erstes gemeinsames Kind von ganzem Herzen gewünscht und waren dankbar und froh, als sie von der Schwangerschaft mit Merle erfahren haben. Daran konnte und kann auch nichts ändern, dass die Schwangerschaft eine Katastrophe war. Von Anfang bis Ende begleitet sie, Miriam, eine Übelkeit. Einfach fürchterlich. Und auch die Geburt ließ ein wenig auf sich warten und zog sich hin. Es begann schon aufregend, da sie, Lars, mit dem Fahrrad zur Arbeit waren und sich dann eben per Fahrrad ganz schnell auf den weg nach Eddelak machen mussten, um sich dann mit dem Auto auf den weg nach Itzehoe zu machen. Und dann hieß es warten, warten, warten. So wie bei Niklas. Die ganze Nacht Rund 24 Stunden lang. Gott sei Dank hatten sie, Lars Urlaub und konnte die ganze Zeit dabei sein. Und das war gut so. Denn es verlief nicht alles reibungslos. Nachdem sie, Miriam, allmählich die Kraft verließ und die Assistenzärztin die PTA-Spritze setzen wollte, klappte das nicht. Auch nicht im 3. Versuch, was der Ärztin sehr peinlich war und wofür sie sich auch entschuldigte. Und auch die Oberärztin brauchte zwei Versuche. So war da viel Betrieb, zumal die
Hebammen nichts zu tun hatten außer sie zu begleiten. Auch nach der Geburt konnten sie bei, Lars, bei ihrer Frau und ihrer Tochter bleiben. Im Familienzimmer. Und das war gut so. In Eddelak lebte sich Merle dann auf ihre Art und Weise ein. Damit meine ich, dass sie anfangs ein echtes Schreikind war und nur wenig, sehr wenig geschlafen hat und dass sie beide sich schon ganz schön viele geben mussten, damit Merle endlich einschlafen konnte. Erst einige Besuche beim Osteopaten und beim Orthopäden brachte Hilfe und Erleichterung, so dass sie mittlerweile kein Schreikind mehr ist. Aber sie schläft immer noch nicht viel. Das Stillen hat leider nicht geklappt, aber mit der Flasche wurde sie dann richtig satt. Merle ist für ihr Alter schon ziemlich weit, v.a. was  das Sprechen, die Motorik und das Spielen anbelangt. Aber was für sie ganz wichtig ist: sie ist ein fröhliches, aufgewecktes, freundliches und liebes Kind und sie versteht sich mit Niklas richtig gut. Und so sind sie glücklich und dankbar dafür, dass neben Niklas nun auch Merle zu ihrer Familie und ihrem Leben dazu gehört. Und ein Leben ohne sie können und wollen sie sich nicht vorstellen.

Und auch sie beide, Claudia und Jens, haben sich über die Nachricht gefreut, dass sie mit Wencke schwanger waren. Für sie beide war es die erste Schwangerschaft und die erste Geburt und Wencke ist so eben auch ihr erstes Kind. Und auch Wencke ist ein Wunschkind. Gewollt und geplant und doch früher gekommen als gedacht. Denn  sie hatten  nicht damit gerechnet, dass es so schnell klappen würde. Aber umso glücklicher und dankbarer waren und sind sie.Anfangs konnten sie die Schwangerschaft noch gut verheimlichen, doch dann begann der Bauch zu explodieren und damit wurden es für alle sichtbar. Bereits im Juni begannen dann die Wehen, also etwas früh, so dass sie ins Krankenhaus mussten, Claudia, und sich danach schon etwas schonen und vorsehen mussten. Stichtag war ja erst der 25. November. Gott sei Dank hielten sie beide durch. Nicht ganz bis zum 25. November, aber der 11. November war auch in Ordnung. Zum Glück nicht um 11:11 Uhr. Zudem musste Wencke geholt werden, aber das war okay für sie. Hauptsache gesund und munter.Und ihre Freude war riesengroß. Nach 5 Tagen im Krankenhaus ging es nach St.Michaelisdonn zurück. Und auch sie, Jens, konnte die meiste zeit bei ihrer Frau und ihrer Tochter im Krankenhaus sein und bleiben. Das Stillen hat nicht geklappt, was bei den Mitarbeiterinnen im Krankenhaus nicht gefallen hat, so dass Druck aufgebaut wurde, was allerdings nicht sehr hilfreich war. Umso dankbarer waren sie, als sie endlich zu Hause waren. Und dort spielte sich alles recht schnell ein. Na ja bis auf die Schreiphase von 17 bis 22 Uhr. 10 Wochen lang, dann war dieses Phase überstanden. Jetzt ist das Schlafen kein Thema mehr. Aber dafür ist sie am Tag wach und will beschäftigt und bespaßt werden. Wencke weiß schon ganz genau, was sie will und was sie nicht will. Wencke bedeutet ja immerhin auch "die Wehrhafte". Passt also. Und ab und zu kriegt sie ihre Eltern damit auch rum. Sie ist neugierig und interessiert und will schon ganz viel wissen. Vor allem aber ist auch sie ein freundliches und liebes Kind und sie beide sind glücklich und dankbar dafür, dass es  Wencke gibt und sie zu ihrer Familie und ihrem Leben dazu gehört. Und ein Leben ohne sie können und wollen sie sich nicht vorstellen.

Mattes, Merle und Wencke stehen am Anfang ihres Lebensweges und ihres Glaubensweges und noch kann niemand von uns sagen, für welchen sie sich entscheiden werden und welche Rolle Gott, Jesus, die Kirche, der Glaube in ihrem Leben spielen werden. Aber wir Christen glauben, vertrauen und hoffen fest darauf, dass heute Vormittag Gott mitten unter uns ist, wenn wir den Beginn ihres Lebens, ihre Geburten und ihre Taufen feiern. Beweisen kann und will ich das nicht. Aber ich will uns einladen, das Wagnis einzugehen und das zu glauben. In Mattes, in Merle und in Wencke begegnet uns Gott. In ihrer Taufe begegnet uns Gott.

Nein, liebe Gemeinde und liebe Tauffamilien, Beweise gibt es nicht für Gott, für seine Nähe und Liebe und Menschenfreundlichkeit. Aber Zeichen gibt es sehr wohl. Ein Zeichen  nennt Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten sogar. "Es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein." Jesus weist auf Karfreitag und Ostern hin. Auf seinen Tod am Karfreitag und auf seine Auferstehung am Ostersonntag. Gott wird Mensch. Gott lebt als Mensch, aber nicht in einem starken, mächtigen, erfolgreichen Menschen, sondern in einem Menschen, der hilflos ist, ohnmächtig, schwach, der scheitert und am Kreuz stirbt. Doch das ist nicht das Ende. Auf den Karfreitag folgt der Ostersonntag, folgt die Auferstehung. Auf das Sterben folgt das Leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Aber auch das ist kein Beweis, den alle anerkennen. Kein Beweis, der wissen schafft. Nur ein Zeichen, ein Hinweis. Und die Frage ist, ob wir in diesen Zeichen Hinweise auf Gott sehen können? Ob wir den Glauben an Gott wagen können. Ob Mattes, Merle und Wencke irgendwann den Glauben an Gott wagen können. Amen.

 

Predigt am Sonntag Estomihi, am 26.02.2017 über Lukas 10,38-42
mit der Taufe von Leeve Kjell S. und Bürgerehrung der Gemeinde Eddelak

 

Liebe Gemeinde,
diese Geschichte ist bekannt. Vielleicht zu bekannt. Das verleitet uns dazu, diese Erzählung schnell abzuhaken, uns nicht weiter anzustrengen und darüber nachzudenken und dabei über manches zu schnell hinweg zu lesen. Maria und Marta: Zwei Typen von Frauen, zwei Charaktere von Menschen, zwei Lebensweisen, zwei Klischees:
Die betende und meditierende Maria und die aktive Martha. Die emanzipierte Maria und die in der traditionellen Frauenrolle verhaftete Martha. Zwei Klischees, die wir gerne in die Geschichte hineinlegen und uns dann für die eine oder andere Seite entscheiden. Und ganz egal wie wir uns entscheiden, es bleibt bei einem unguten Gefühl, so als ob wir mit unserer Entscheidung immer zugleich der anderen Unrecht tun würden. So empfinde ich es jedenfalls. Maria und Martha, von zwei unterschiedlichen Typen Mensch ist hier die Rede. Martha wahrscheinlich die Ältere, denn ihr gehört das Haus in dem Jesus einkehrt. Martha die Hausfrau, die, die alles im Griff hat und den Überblick behält, auch dann wenn überraschend Gäste zu Besuch kommen. Martha, der ruhende Pol, die dem Chaos wehrt. Martha die Dienende.
Maria, die Sorglose, die ohne schlechtes Gewissen die Arbeit liegen lassen kann und das macht, was ihr das Gefühl sagt. Maria, die Hörende zu Füßen des Meisters. Maria und Martha, zwei unterschiedliche Frauentypen. Tatsächlich?
Mir gefällt dieses Schubladendenken überhaupt nicht und so möchte ich weg von diesen Frauenbildern, die leicht den Blick für die zentrale Aussage des Textes verstellen. Dieser scheinbare Gegensatz zwischen Meditation und Aktion ist für mich nur künstlich. Er wurde oft in der Kirche hochstilisiert und wurde oft als Gegensatzpaar hingestellt so nach dem Motto: „Was ist wichtiger?“ Beten oder Handeln?
Verantwortliches Reden darf keine Gegensätze aufbauen zwischen dem Hören auf das Wort Gottes und dem Umsetzen dieses Wortes, dem Tun und Handeln. Zwischen dem Hören auf Gottes Wort und dem Handeln darf es keine Konkurrenz geben nach dem Motto geben, was denn wichtiger oder besser ist.
Sehr schön hat dies Theresa von Avila mit ihrem Kommentar zu unserem Bibelwort auf den Punkt gebracht mit dem Satz: „Glaubt mir, Maria und Martha müssen beisammen sein, um den Herrn zu beherbergen.“
Worauf uns der heutige Bibeltext hinweist ist, dass es im Leben eines Christen, im Leben einer Christin nicht darauf ankommt, ob das, was man tun möchte das richtige ist, sondern ob das was wann tun möchte, im richtigen Moment geschieht. Das Bestgemeinte kann falsch sein, wenn es nicht im richtigen Moment ist.
Martha hat wahrscheinlich auch nicht viel überlegt, als Besuch kam, sondern das getan, was sie immer gemacht hat. Vielleicht ist sie gleich in die Küche gegangen, um Essen vorzubereiten, was zur damaligen Zeit mehr bedeutete, als nur den Elektroherd einzuschalten und ein paar Fertigpizzas warm zu machen. Doch so ein ganz normaler Besuch war das ja eigentlich auch nicht. Allein die Tatsache, dass ein Mann, anscheinend allein bei zwei Frauen, die alleine leben, einkehrt, war für die damalige Zeit keine normale Sache, sondern eher ein Skandal und eine Provokation. Auch wenn es sich um einen Wanderprediger gehandelt hat, der den Menschen die Botschaft von Gott erzählte. Erst an der Reaktion Jesu merkt Martha und merken auch wir, dass Maria in diesem Moment genau das Richtige tut.
Denn Jesus kehrte nicht wegen des Essens bei Martha ein, er wollte ein Zeichen setzen, er hatte etwas zu sagen und wollte, dass man ihm zuhört. In einer anderen Situation wäre vielleicht genau das Gegenteil richtig gewesen. Es kommt eben nicht nur darauf an was man tut, sondern wann man es tut. Auch das vermeintlich Gute, das man tun will kann falsch sein, wenn es nicht der richtige Moment ist. Nicht zufällig findet sich die Erzählung von Maria und Martha genau im Anschluss an eine ebenfalls sehr bekannte Erzählung - die Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Auch hierbei geht es nicht darum, das Hören und das Tun gegeneinander auszuspielen, sondern alles zu seiner Zeit zu tun. In der Erzählung vom barmherzigen Samariter lassen Tempeldiener und Priester den Überfallenen liegen, da sie zum Gebet und zum Gottesdienst in den Tempel wollen. Natürlich hätten sie erste Hilfe leisten müssen. Natürlich hätten sie erst helfen müssen und dann immer noch zum Tempel gehen können. Selbst wenn sie zu spät kommen. Jeder hätte Verständnis gehabt, auch damals. Und wenn nicht, gleichgültig. Dem Überfallenen zu helfen war in dem Moment wichtiger als zum Gottesdienst in den Tempel zu gehen.
Als Jesus in das Haus der Martha kommt, steht nicht das Handeln an erster Stelle, sondern das Hören. Dennoch: Es geht nicht darum, Hören und Tun gegeneinander auszuspielen. Es geht nicht darum, dass Hören immer besser ist als das Handeln oder umgekehrt das Handeln immer besser und richtiger ist als das Hören. Überhaupt sind Maria und Martha keine Gegensätze. Maria und Martha sind zwei Wesenseigenschaften des Menschen. Eigenschaften, die jede und jeder von uns in sich trägt und die sich ergänzen. Beide Eigenschaften sind richtig, im richtigen Moment und beide Eigenschaften sind falsch im falschen Moment. Die Erzählung von Maria und Martha ist daher mehr ein Gleichnis oder als der historische Bericht über ein tatsächliches Treffen.
Liebe Gemeinde, es kommt nicht nur darauf was man tut, sondern wann man was tut. „Eins aber ist Not“ Und das zu wissen ist meist sehr schwer. Danach weiß man es immer besser, aber wie weiß man denn, was jetzt dran ist?
Meistens ist es doch so, dass wir uns spontan entscheiden müssen, dass uns keine Zeit bleibt, um abzuwägen, was dran ist: Hören oder Handeln. Das gilt für diese Erzählung des Besuches Jesu bei Maria und Martha. Das gilt für die Erzählung vom barmherzigen Samariter. Das gilt für euch, liebe Tauffamilie Steen. Für euch, Fin und Carina, bei der Begleitung eurer beiden Söhne Henrik Logan und Leeve Kjell. Manchmal bleibt eben keine Zeit. Da müsst ihr schnell und spontan entscheiden. Keine Zeit, um lange zu überlegen. Keine Zeit, um lange zu diskutieren, um sich von anderen Meinungen und Ratschläge einzuholen. Manchmal muss man sich entscheiden. Muss man etwas riskieren, etwas wagen, mutig sein. Im Wissen, dass wir nicht immer richtig handeln können und nicht immer richtig handeln werden. Doch wenn ihr beide euch nicht mutig für eure Kinder entschieden hättet, dann würde es Henrik und Leeve nicht geben. Und dann wärt ihr heute nicht hier und wir würden heute nicht die Taufe von Leeve feiern.
Aber - Gott sei Dank - habt ihr Ja zu Kindern gesagt, eben gerade auch Ja zu eurem zweiten Kind, zu Leeve. Eigentlich sollte nicht so viel Zeit zwischen Henriks Geburt und der Geburt von Leeve sein. Aber es hat eben nicht früher geklappt. Erst als du, Carina, dich entschieden hast, wieder in den Beruf einzusteigen und sogar bei einem Zahnarzt in Friedrichskoog einen Arbeitsplatz sicher hattest, ausgerechnet dann wurdest du doch zum zweiten Male schwanger. Aber das war für euch kein Grund zum Trauern. Ihr habt euch riesig gefreut. Und schnell stand fest, dass du die Arbeitstelle in Friedrichskoog gar nicht erst antrittst, sondern zu Hause bleibst. Und diese Entscheidung war die richtige. Die Schwangerschaft war
im Grunde problemlos. Bis auf das bisschen Übelkeit am Anfang und die Probleme mit den Wehen, die dazu führten, dass du im Februar 2016 für zwei Tage ins Krankenhaus musstest und dich am Ende der Schwangerschaft schonen solltest. Und so war es gut und richtig, dass du, Fin, dich entschieden hast, rechtzeitig Ende April Urlaub zu nehmen, um Carina begleiten zu können. Da bereits Henrik mit Kaiserschnitt geboren wurde, stand frühzeitig die Entscheidung, dass auch Leeve per Kaiserschnitt geboren werden sollte. In Heide, nicht wie Henrik in Itzehoe. Nach drei Nächten im Krankenhaus seid ihr wieder zurück in euer Haus auf dem Warferdonn 19 zurückgekehrt und Leeve hat sich schnell eingelebt. Das Schlafen klappt gut, ganz anders als bei Henrik. Leeve schläft gerne und viel. Nachts und auch am Tag. Aber wenn er wach ist, ist er wach. Dann erfüllt er das Haus mit Leben. Das Stillen klappte prima, mittlerweile isst er aber auch schon Brei, Brot, Käse, Äpfel usw. Er versteht sich mit Henrik ausgezeichnet, die beiden lieben sich heiß und innig. Er redet schon recht viel, auch wenn ihr nicht alles verstehen könnt. Er hat bereits zwei Zähne und krabbelt seit Weihnachten. Mit dem Laufen hat er das allerdings nicht so. Aber vor allem  ist Leeve ein elternliebes, freundliches und fröhliches und lebhaftes Kind. Und ab und an stellt er euch wie auch Henrik vor Situationen, in denen ihr euch spontan und schnell entscheiden müsst. Und diese Entscheidung kann euch niemand abnehmen. Vielleicht ist gerade das auch ein Grund , warum nach wie vor Eltern in unsere Kirche kommen, um ihre Kinder taufen zu lassen. Um Gott um seinen Segen, um seine Nähe und um seine Begleitung zu bitten. Um Gott zu bitten, dass er da ist für euch als Eltern und für Henrik und Leeve. Um Kraft und Mut zu bekommen, für den ganz normalen Alltag, das ganz normale Leben, zu dem eben sehr oft Entscheidungen anstehen. In der Taufe von Leeve  verspricht Gott, dass er sich freut, dass es Leeve gibt, ja dass er es sogar gewollt hat, dass Leeve lebt. Dass er Leeve begleiten wird und für ihn da sein wird. Er wird ihm nicht alle Entscheidungen abnehmen, auch nicht die, die sich später als falsch herausstellen, aber er verspricht ihm,  dass er ihm die Kraft und den Mut für Entscheidungen schenken wird und auch die Kraft, um zu den Entscheidungen zu stehen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Zugleich verspricht Gott aber auch euch, Fin und Carina, euch zu begleiten, an eurer Seite sein und gehen wird, damit ihr seine Liebe an Leeve weitergeben könnt, damit ihr Leeve begleiten könnt und für ihn da sein könnt. Und auch euch verspricht er Kraft und Mut, um die Entscheidungen treffen zu können, die ihr im Laufe der Begleitung von Leeve treffen müsst. Gleichgültig ob sie sich im Nachhinein als richtig oder falsch herausstellen.
Es ist eben so, dass wir uns meistens spontan entscheiden müssen, dass uns keine Zeit bleibt, um abzuwägen, was dran ist: Hören oder Handeln. Und das ist auch eure Erfahrung, Karin und Jürgen. Sei es in eurem beruflichen Leben bei uns im Kirchenbüro oder auf der Condea, der heutigen Sasol. Oder sei es in eurem ehrenamtlichen Engagement. Situationen, in denen ihr euch entscheiden musstet und zwar schnell und spontan. Und oft habt ihr ja die richtige Entscheidung getroffen. Ab und an aber auch nicht. Und dann waren sie da. Die, die den Mund aufgemacht  haben oder sich das Maul zerrissen haben. Die mit Kritik schnell bei der Hand waren. Oft Menschen, die sich selbst nicht ehrenamtlich eingesetzt haben. Nicht viele. Einzelne. Manchmal nur eine einzige Person. Und doch hat euch diese Kritik jedes Mal richtig tief getroffen und euch verletzt. Man kann es eben nicht allen recht machen und hinterher ist man immer schlauer. Wer sich einsetzt und engagiert, sei es im Beruf oder ehrenamtlich, der muss oft spontan entscheiden und handeln. Der muss damit leben, dass er nicht immer alles richtig macht und machen kann. Gerade sie sind es doch, die unsere Welt und auch unsere Kirche so vielfältig und bunt machen. Ohne Menschen, die sich einsetzen für andere und für die Gemeinde wäre unsere Welt noch viel kälter, dunkler und ärmer dran.

Und das gilt auch für die Begleitung nahe stehender Menschen. Ihr, liebe Trauerfamilien, habt es in der jüngeren Vergangenheit hautnah miterlebt, wie schnell alles so ganz anders und so fremd werden kann. Wie schnell man sich entscheiden muss und dabei so unsicher ist, was denn das Richtige ist und was nicht.
Der Tod zeigt uns auf grausame und schmerzliche Weise unsere Grenzen auf. Macht deutlich, dass wir Grenzen haben. Das Leben zeigt uns immer wieder, dass wir nicht alles im Griff haben, dass wir Menschen und damit menschlich sind. Menschen mit Fehlern und Schwächen. Menschen mit Grenzen. Menschen mit Stärken.

Manchmal zwingt uns das Leben dazu, uns spontan zu entscheiden. Hören oder Handeln. Ausruhen, Erholen und zu Kräften kommen oder Anpacken und für andere da sein. In solchen Situationen bleibt keine Zeit zum Abwägen und Nachdenken. Wir müssen uns spontan entscheiden. Hinterher sind wir schlauer. Hinterher wissen wir, ob unsere Entscheidung richtig oder falsch war. Dennoch sagt Jesus an anderer Stelle: was aus Liebe getan wird, kann nicht falsch sein. Es keine Antwort wie aus einem Rezeptbuch. Das Gleichnis der beiden Frauen kann aber vielleicht eine Hilfestellung für uns sein. Es werden in der Erzählung klar die fest gefügten Rollen hinterfragt und in Frage gestellt. Wer ohne zu überlegen immer nur das macht, was er schon immer gemacht hat, dem kann es passieren, dass es genau das falsche ist. Jesus will uns Mut machen, auch einmal aus der eigenen Rolle auszubrechen. Nicht immer das zu tun, was von einem scheinbar erwartet wird oder was ich immer schon so gemacht habe, ohne zu überlegen, automatisch. Nachfolge Jesu ist eine Suche nach dem richtigen Tun und Handeln. Nachfolge Jesu stellt das eigene Tun immer wieder auf den Prüfstand. Nachfolge Jesu bedeutet, dass ich diesen Konflikt zwischen Hören und Handeln niemals lösen werde. Dass ich die Frage, was denn wann das Richtige ist, nie allgemeingültig, für alle und für alle Zeiten beantworten kann, sondern diese in jeder Situation immer wieder neu und aktuell beantworten muss. Ich bin damit niemals am Ende und fertig. Und oft genug spüre ich meine Grenzen. Oft genug versage ich, scheitere ich, entscheide ich mich für das Falsche. Deshalb ist es gut, dass die Erzählung von Martha und Maria offen bleibt. Maria und Martha sind keine Gegensätze, die sich ausschließen. Maria und Martha sind zwei Wesenseigenschaften des Menschen, die jeder in sich trägt. Es kommt im Leben nur darauf an, im richtigen Moment zu hören und im richtigen Moment zu handeln. Und genau das zeichnet uns Christinnen und Christen aus, das zeichnet unsere Kirche aus: Vielfalt und Einheit - auf unterschiedliche Weise glauben und handeln. Amen.

 

Predigt am Sonntag Septuagesimae, am 12.02.2017 über Lukas 17,7-10

 

„Dafür nicht“. Ich habe doch nur meinen Job gemacht. Das war doch nichts Besonderes. Nichts worauf man sich etwas einbilden kann und soll. „Dafür nicht“. Diese Redewendung hat sich in den letzten Jahr durchgesetzt, wenn jemand sagen möchte: hier geht’s doch um etwas Selbstverständliches, dafür brauchst du dich doch nicht zu bedanken. Das ist doch meine Pflicht. Dafür erwarte ich keinen Dank, weil ich das eben zu tun habe, weil ich dafür bezahlt werde, weil ich das eben kann, weil das eben mein Beruf ist usw.

 

„Dafür nicht“. Das ist meine Pflicht, also etwas, das ich gerne tue und eben einfach zu tun habe. Tolle Reaktion. In der Regel scheint es so zu sein, dass viele, die sich einsetzen im Beruf, in der Gemeinde, im Dorf, im Verein, in der Kirchengemeinde erwarten, dass man sie intensiv wahrnimmt und sie ganz besonders wertschätzt, dass man ihnen dankt und das, was sie tun, eben gerade nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmt.

 

Mal abgesehen davon, dass ich das Danken einfach wichtig finde - und hoffentlich auch angemessen tue - gibt es natürlich Dinge, die selbstverständlich sind. An Ihrem Arbeitsplatz oder in der Schule zum Beispiel wird von uns erwartet, dass wir pünktlich da sind und nicht einfach früher abhauen, und dass wir zwischendurch schön freundlich und munter der Tätigkeit nachgehen, für die wir bezahlt werden. Niemand käme auf die Idee, uns dafür zu danken, dass wir immer schön pünktlich zur Arbeit kommen oder eben das machen, wofür wir bezahlt werden. Dafür nicht!

 

So etwas Ähnliches sagt auch Jesus in einem Gleichnis, das wir vorhin bereits gehört haben und das ich uns gleich noch einmal vorlesen werde. Es irritiert ein bisschen, weil sich ja sogar in den Chefetagen der weltumspannenden Konzerne inzwischen herumgesprochen hat, dass ein Dankeschön die Motivation der Angestellten enorm steigern kann. Und jeder weiß, dass ein freundliches "Danke" unseren Arbeitstag freundlicher macht, und wir uns ja auch nichts dabei abbrechen, wenn wir uns gegenseitig die eine oder andere Nettigkeit zusprechen.

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?
10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

In der revidierten Lutherbibel von 2017 finden wir als Überschrift dieses Abschnittes: "Von der Pflicht des Knechts". Jesus nimmt uns mit seinem Gleichnis vom dienenden Sklaven in eine Welt mit, die wir nicht mehr kennen, die uns vielleicht sogar abstößt, weil wir sie für grausam und unchristlich halten. Für die Jünger war es ein ganz und gar selbstverständliches Bild. Sklaverei gab es nun einmal überall im ganzen römischen Reich. In Israel wurde die Sklaverei allerdings längst nicht so erbarmungslos praktiziert wie zum Beispiel im antiken Rom. In Israel wurden die Sklaven als Menschen angesehen, sie waren rechtlich vor Willkür und Totschlag geschützt und ihnen stand die Freiheit spätestens im 7. Jahr des Sklavendienstes zu. Trotzdem war es Sklaverei. Ein Mensch gehörte einem anderen Menschen und hatte diesem zu dienen. Natürlich waren es nur reiche Leute, die Sklaven besaßen. Meist auf großen Landgütern, wo Sklaven auf dem Feld oder in den Ställen arbeiteten und dem Besitzer zu dienen hatten. In dieses Bild holt Jesus seine Zuhörer hinein. „Stell dir vor, du hättest einen Sklaven. Würdest du ihn an den Tisch bitten, wenn er vom Feld nach Hause kommt? Oder würdest du ihn nicht vielmehr erst einmal das Essen für dich auftragen lassen?“ So fragt Jesus.

 

Ich weiß – etliche von Ihnen würden jetzt sagen: Na klar würde ich den an den Tisch bitten. Wir können doch nett zusammen essen. Hat doch schließlich den ganzen Tag für mich gearbeitet, der arme Kerl! Aber damals dachte man nicht so. Für die Zuhörer des Gleichnisses zu Jesu Zeit, war die Antwort ganz eindeutig. Der Sklave hatte zu dienen und sonst gar nichts. Und es ist noch gar nicht so lange her, keine 100 Jahre, in der Nachkriegszeit, da wurden auch nicht auf allen Bauernhöfen Knechte und Mädge und Flüchtlinge an den Tisch des Bauern gelassen.

Jesus steigert die Frage sogar noch, auch in dem Wissen, dass die Zuhörer selbstverständlich: Aber nein! rufen werden. Jesus fragt: Bedankt sich etwa der Besitzer bei seinem Skaven? Dafür nicht! Und während wir uns gemütlich in die Position des Sklavenhalters hineinversetzt und in Gedanken Däumchen drehend unserem Sklaven beim Kochen und Tischdecken zugesehen haben, wechselt Jesus ganz unvermittelt die Perspektive. So auch ihr!

Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. Jesus hat die Leute sozusagen an der Nase herumgeführt. Ihr seid im Bild des Gleichnisses natürlich nicht die Sklavenhalter, sondern die Sklaven. Also verhaltet euch gefälligst so. Das sitzt!

 

Das muss ich mir sagen lassen als Pastor. Und das müssen sie sich sagen lassen und das müsst ihr euch sagen lassen, als Gemeinde! Ich höre es nicht gern, was vermutlich mit dem Bild aus der Sklavenhaltergesellschaft zu tun hat, das mir überhaupt nicht behagt. Aber das ist ja nur ein Bild. Das darf man nicht vergessen.

Bei allen Absonderlichkeiten dieses Gleichnisses lohnt es sich, genau hinzusehen. Hinsehen heißt, zu sehen, was eigentlich der Anlass für diese kleine Geschichte war und ist.  Unmittelbar vor dieser Geschichte ist im Lukasevangelium zu lesen:
Jesus spricht zu seinen Jüngern: 3 Hütet euch! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. 4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.
5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Und dann geht es mit unserer Geschichte weiter: 7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? 8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene  mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? 9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? 10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

Das Wort, um das es Jesus ist: Vergebung. Es geht ihm um das sich gegenseitige Verzeihen. Wenn jemand möchte, dass wir ihm verzeihen sollen, so sollen wir ihm verzeihen und sei es siebenmal am Tag. Immer und immer wieder vergeben und verzeihn, Und das scheint für Jesus eine Selbstverständlichkeit zu sein. Vielleicht sogar eine christliche Pflicht. Etwas, was ganz normal ist, nichts Besonderes. Was man als Christin und Christ eben so tut und wofür man keinen Dank erwartet. Dafür nicht!

 

Dass die Jünger so reagieren wie sie reagieren, ist für mich nur zu gut zu verstehen, weil es mir bei diesen Worten Jesu und bei diesen Gedanken genauso geht. Das kann ich nicht. Das schaffe ich nicht. Das packe nicht nicht. Das überfordert mich. Und eigentlich will ich das auch nicht, immer und immer wieder vergeben. Da muss es doch so etwas wie eine Obergrenze des Vergebens und Verzeihens geben. Schon Jesu Jünger fühlen sich offenbar reichlich gefordert, überfordert. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit für sie. Sie können sich nur schwer vorstellen, so zu leben. Sie spüren, dass sie das nicht schaffen werden, dass sie so nicht werden leben können. Dazu reicht ihr Glauben nicht aus.

 

Und das kann ich nachvollziehen. Vergeben kann extrem schwierig sein, vor allem wenn es immer wieder um die gleiche Person geht. Und könnte ich das von einem anderen erwarten, dass er mir immer und immer wieder verzeiht? Das schaffe ich nicht. Das schaffen wir nicht. Unmöglich. So einen starken und großen Glauben könnte niemand haben.  Und dann antwortet Jesus: Ein kleiner Glaube reicht. Schon ein kleiner Glaube kann Unglaubliches. Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

 

Es hängt eben nicht daran, wie groß der Glaube ist und ob er groß oder klein ist. Die Grundfrage ist eine Entscheidungsfrage: Glaubst du oder glaubst du nicht! Ja oder Nein! Der kleinste Glaube reicht schon. Da gibt es nicht groß oder klein, und auch nicht viel oder wenig. Glaubst du, dass Gott dir immer und immer wieder vergibt? Und dafür nicht einmal ein Danke schön erwartet? Weil er dich bedingungslos liebt?  Weil er dir immer und immer wieder eine Chance zum Neuanfang geben will? Kannst du das glauben und kannst du aus diesem Glauben heraus leben? Und glaubst du, das Gottes Liebe für dich ein Vorbild sein kann und du es versuchen kannst, es genauso zu machen? Also anderen so zu vergeben wie Gott dir vergibt? Immer und immer wieder? Ohne dass dir dafür immer wieder und ganz besonders gedankt wird? So wie ein Sklave, der eben nur das tut, was er zu tun hat?

 

Im Gleichnis vom Sklaven geht es also nicht um irgendein Dankeschön für das, was wir tun. Es geht ganz konkret um Vergebung, ums Verzeihen. So wie wir es im Vater nicht zufällig beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Dafür nicht! Darum geht es Jesus. Vergebung soll unser Leben bestimmen und verändern. Durch Vergebung kann die Wirklichkeit unseres gelebten Lebens ein anderes Gesicht bekommen. Weil Gott uns vergeben hat und täglich, immer und immer wieder vergibt, werden auch wir fähig, anderen immer und immer wieder zu vergeben. Und das würde diese Welt grundlegend verändern.  Amen.

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