Predigttexte

Predigt aktuell

Lukas 17,7-10:

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?
10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Matthäus 14,22-33:

22 Sofort danach drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen. Sie sollten an die andere Seite des Sees vorausfahren. Er selbst wollte inzwischen die Volksmenge verabschieden. 23 Nachdem er die Volksmenge verabschiedet hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch alleine dort. 24 Das Boot war schon weit vom Land entfernt. Die Wellen machten ihm schwer zu schaffen, denn der Wind blies direkt von vorn. 25 Um die vierte Nachtwache kam Jesus zu den Jüngern. Er lief über den See. 26 Als die Jünger ihn über den See laufen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. Sie riefen: »Das ist ein Gespenst!« Vor Angst schrien sie laut auf. 27 Aber sofort sagte Jesus zu ihnen: »Erschreckt nicht! Ich bin es. Ihr braucht keine Angst zu haben.« 28 Petrus antwortete Jesus:  »Herr, wenn du es bist, befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.«
29 Jesus sagte: »Komm!« Da stieg Petrus aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus. 30 Aber auf einmal merkte er, wie stark der Wind war und bekam Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Herr, rette mich!« 31 Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen und hielt ihn fest. Er sagte zu Petrus: »Du hast zu wenig Vertrauen. Warum hast du gezweifelt?«
32 Dann stiegen sie ins Boot – und der Wind legte sich. 33 Und die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder. Sie sagten: »Du bist wirklich der Sohn Gottes!«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Matthäus 5,13-16:

 

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

 

 

 

 

 

Predigt am Sonntag Septuagesimae, am 12.02.2017 über Lukas 17,7-10

 

„Dafür nicht“. Ich habe doch nur meinen Job gemacht. Das war doch nichts Besonderes. Nichts worauf man sich etwas einbilden kann und soll. „Dafür nicht“. Diese Redewendung hat sich in den letzten Jahr durchgesetzt, wenn jemand sagen möchte: hier geht’s doch um etwas Selbstverständliches, dafür brauchst du dich doch nicht zu bedanken. Das ist doch meine Pflicht. Dafür erwarte ich keinen Dank, weil ich das eben zu tun habe, weil ich dafür bezahlt werde, weil ich das eben kann, weil das eben mein Beruf ist usw.

 

„Dafür nicht“. Das ist meine Pflicht, also etwas, das ich gerne tue und eben einfach zu tun habe. Tolle Reaktion. In der Regel scheint es so zu sein, dass viele, die sich einsetzen im Beruf, in der Gemeinde, im Dorf, im Verein, in der Kirchengemeinde erwarten, dass man sie intensiv wahrnimmt und sie ganz besonders wertschätzt, dass man ihnen dankt und das, was sie tun, eben gerade nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmt.

 

Mal abgesehen davon, dass ich das Danken einfach wichtig finde - und hoffentlich auch angemessen tue - gibt es natürlich Dinge, die selbstverständlich sind. An Ihrem Arbeitsplatz oder in der Schule zum Beispiel wird von uns erwartet, dass wir pünktlich da sind und nicht einfach früher abhauen, und dass wir zwischendurch schön freundlich und munter der Tätigkeit nachgehen, für die wir bezahlt werden. Niemand käme auf die Idee, uns dafür zu danken, dass wir immer schön pünktlich zur Arbeit kommen oder eben das machen, wofür wir bezahlt werden. Dafür nicht!

 

So etwas Ähnliches sagt auch Jesus in einem Gleichnis, das wir vorhin bereits gehört haben und das ich uns gleich noch einmal vorlesen werde. Es irritiert ein bisschen, weil sich ja sogar in den Chefetagen der weltumspannenden Konzerne inzwischen herumgesprochen hat, dass ein Dankeschön die Motivation der Angestellten enorm steigern kann. Und jeder weiß, dass ein freundliches "Danke" unseren Arbeitstag freundlicher macht, und wir uns ja auch nichts dabei abbrechen, wenn wir uns gegenseitig die eine oder andere Nettigkeit zusprechen.

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?
10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

In der revidierten Lutherbibel von 2017 finden wir als Überschrift dieses Abschnittes: "Von der Pflicht des Knechts". Jesus nimmt uns mit seinem Gleichnis vom dienenden Sklaven in eine Welt mit, die wir nicht mehr kennen, die uns vielleicht sogar abstößt, weil wir sie für grausam und unchristlich halten. Für die Jünger war es ein ganz und gar selbstverständliches Bild. Sklaverei gab es nun einmal überall im ganzen römischen Reich. In Israel wurde die Sklaverei allerdings längst nicht so erbarmungslos praktiziert wie zum Beispiel im antiken Rom. In Israel wurden die Sklaven als Menschen angesehen, sie waren rechtlich vor Willkür und Totschlag geschützt und ihnen stand die Freiheit spätestens im 7. Jahr des Sklavendienstes zu. Trotzdem war es Sklaverei. Ein Mensch gehörte einem anderen Menschen und hatte diesem zu dienen. Natürlich waren es nur reiche Leute, die Sklaven besaßen. Meist auf großen Landgütern, wo Sklaven auf dem Feld oder in den Ställen arbeiteten und dem Besitzer zu dienen hatten. In dieses Bild holt Jesus seine Zuhörer hinein. „Stell dir vor, du hättest einen Sklaven. Würdest du ihn an den Tisch bitten, wenn er vom Feld nach Hause kommt? Oder würdest du ihn nicht vielmehr erst einmal das Essen für dich auftragen lassen?“ So fragt Jesus.

 

Ich weiß – etliche von Ihnen würden jetzt sagen: Na klar würde ich den an den Tisch bitten. Wir können doch nett zusammen essen. Hat doch schließlich den ganzen Tag für mich gearbeitet, der arme Kerl! Aber damals dachte man nicht so. Für die Zuhörer des Gleichnisses zu Jesu Zeit, war die Antwort ganz eindeutig. Der Sklave hatte zu dienen und sonst gar nichts. Und es ist noch gar nicht so lange her, keine 100 Jahre, in der Nachkriegszeit, da wurden auch nicht auf allen Bauernhöfen Knechte und Mädge und Flüchtlinge an den Tisch des Bauern gelassen.

Jesus steigert die Frage sogar noch, auch in dem Wissen, dass die Zuhörer selbstverständlich: Aber nein! rufen werden. Jesus fragt: Bedankt sich etwa der Besitzer bei seinem Skaven? Dafür nicht! Und während wir uns gemütlich in die Position des Sklavenhalters hineinversetzt und in Gedanken Däumchen drehend unserem Sklaven beim Kochen und Tischdecken zugesehen haben, wechselt Jesus ganz unvermittelt die Perspektive. So auch ihr!

Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. Jesus hat die Leute sozusagen an der Nase herumgeführt. Ihr seid im Bild des Gleichnisses natürlich nicht die Sklavenhalter, sondern die Sklaven. Also verhaltet euch gefälligst so. Das sitzt!

 

Das muss ich mir sagen lassen als Pastor. Und das müssen sie sich sagen lassen und das müsst ihr euch sagen lassen, als Gemeinde! Ich höre es nicht gern, was vermutlich mit dem Bild aus der Sklavenhaltergesellschaft zu tun hat, das mir überhaupt nicht behagt. Aber das ist ja nur ein Bild. Das darf man nicht vergessen.

Bei allen Absonderlichkeiten dieses Gleichnisses lohnt es sich, genau hinzusehen. Hinsehen heißt, zu sehen, was eigentlich der Anlass für diese kleine Geschichte war und ist.  Unmittelbar vor dieser Geschichte ist im Lukasevangelium zu lesen:
Jesus spricht zu seinen Jüngern: 3 Hütet euch! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. 4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.
5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Und dann geht es mit unserer Geschichte weiter: 7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? 8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene  mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? 9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? 10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

Das Wort, um das es Jesus ist: Vergebung. Es geht ihm um das sich gegenseitige Verzeihen. Wenn jemand möchte, dass wir ihm verzeihen sollen, so sollen wir ihm verzeihen und sei es siebenmal am Tag. Immer und immer wieder vergeben und verzeihn, Und das scheint für Jesus eine Selbstverständlichkeit zu sein. Vielleicht sogar eine christliche Pflicht. Etwas, was ganz normal ist, nichts Besonderes. Was man als Christin und Christ eben so tut und wofür man keinen Dank erwartet. Dafür nicht!

 

Dass die Jünger so reagieren wie sie reagieren, ist für mich nur zu gut zu verstehen, weil es mir bei diesen Worten Jesu und bei diesen Gedanken genauso geht. Das kann ich nicht. Das schaffe ich nicht. Das packe nicht nicht. Das überfordert mich. Und eigentlich will ich das auch nicht, immer und immer wieder vergeben. Da muss es doch so etwas wie eine Obergrenze des Vergebens und Verzeihens geben. Schon Jesu Jünger fühlen sich offenbar reichlich gefordert, überfordert. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit für sie. Sie können sich nur schwer vorstellen, so zu leben. Sie spüren, dass sie das nicht schaffen werden, dass sie so nicht werden leben können. Dazu reicht ihr Glauben nicht aus.

 

Und das kann ich nachvollziehen. Vergeben kann extrem schwierig sein, vor allem wenn es immer wieder um die gleiche Person geht. Und könnte ich das von einem anderen erwarten, dass er mir immer und immer wieder verzeiht? Das schaffe ich nicht. Das schaffen wir nicht. Unmöglich. So einen starken und großen Glauben könnte niemand haben.  Und dann antwortet Jesus: Ein kleiner Glaube reicht. Schon ein kleiner Glaube kann Unglaubliches. Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

 

Es hängt eben nicht daran, wie groß der Glaube ist und ob er groß oder klein ist. Die Grundfrage ist eine Entscheidungsfrage: Glaubst du oder glaubst du nicht! Ja oder Nein! Der kleinste Glaube reicht schon. Da gibt es nicht groß oder klein, und auch nicht viel oder wenig. Glaubst du, dass Gott dir immer und immer wieder vergibt? Und dafür nicht einmal ein Danke schön erwartet? Weil er dich bedingungslos liebt?  Weil er dir immer und immer wieder eine Chance zum Neuanfang geben will? Kannst du das glauben und kannst du aus diesem Glauben heraus leben? Und glaubst du, das Gottes Liebe für dich ein Vorbild sein kann und du es versuchen kannst, es genauso zu machen? Also anderen so zu vergeben wie Gott dir vergibt? Immer und immer wieder? Ohne dass dir dafür immer wieder und ganz besonders gedankt wird? So wie ein Sklave, der eben nur das tut, was er zu tun hat?

 

Im Gleichnis vom Sklaven geht es also nicht um irgendein Dankeschön für das, was wir tun. Es geht ganz konkret um Vergebung, ums Verzeihen. So wie wir es im Vater nicht zufällig beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Dafür nicht! Darum geht es Jesus. Vergebung soll unser Leben bestimmen und verändern. Durch Vergebung kann die Wirklichkeit unseres gelebten Lebens ein anderes Gesicht bekommen. Weil Gott uns vergeben hat und täglich, immer und immer wieder vergibt, werden auch wir fähig, anderen immer und immer wieder zu vergeben. Und das würde diese Welt grundlegend verändern.  Amen.

 

 

Predigt am 4. Sonntag nach Epiphanias, am 29.01.2017
Einführung von Janina Lucks in den KGR
Gemeindeversammlung und Neujahrsempfang
"Von der Freiheit eines Christenmenschen!"/Matthäus 14,22-33

Die Verträge sind gemacht
Und es wurde viel gelacht
Und was Süsses zum Dessert
Freiheit, Freiheit.
Die Kapelle, rum-ta-ta
Und der Papst war auch schon da
Und mein Nachbar vorneweg
Freiheit, ist die einzige, die fehlt.
Freiheit, ist das einzige, was zählt.

Das stammt aus dem bekannten Lied "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen. Sehr viele von uns werden es kennen. "Freiheit" was für ein Wort. Jede und jeder von uns verbindet damit ganz bestimmte Vorstellungen. "Freiheit" das heißt für viele, das tun und lassen zu können, was man will. Sich von niemandem etwas sagen lassen. Einfach so in den Tag hinein leben. Keine Schule, keine Arbeit, keine Zwänge. Kein "du musst". Kein "du sollst", sondern einfach nur "ich will". Und ich will mir nichts sagen lassen von anderen. Nicht von den Eltern, nicht von den Lehrern, nicht vom Chef, nicht vom Partner oder der Partnerin, nicht von der Politik und schon gar von der Kirche oder von Gott. Selbstbestimmt leben, das ist eines dieser modernen Worte, gegen die man nichts sagen darf und kann und wird häufig als eine andere Bezeichnung als das Wort "Freiheit" benutzt.  "Freiheit ist das einzige, was zählt."  

Bereits vor 500 Jahren hat sich Martin Luther mit dem Wort "Freiheit" beschäftigt. In seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ aus dem Jahr 1520, die zu einer seiner wichtigsten und bedeutendsten Schriften geworden ist. Darin lassen sich zwei der berühmtesten und bedeutendsten Sätze Luthers finden: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“ Und: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ "Freier Herr" und "dienstbarer Knecht". Dabei unterscheidet Martin Luther zwischen dem "geistlichen" Menschen und "leiblichen" Menschen. Und folgt damit dem Apostel Paulus.

Der Mensch zwischen „Leib" oder "Fleisch“ und „Geist“. Obwohl das keine Fremdworte sind, sind es doch fremde Worte, die sich nicht so leicht erschließen.
"Leib" oder „Fleisch“ gehören vielleicht zu den missverständlichsten Worte im Neuen Testament. Man denkt da viel zu schnell an den menschlichen Leib, an seine Bedürfnisse und Begierden. Doch es geht um mehr. „Fleisch“ ist alles, was ich mir in meinem Leben nicht ausgesucht habe. Die Haut, in der ich stecke. Die Gewohnheiten und Schwächen, die mich so oft selber nerven. Die Ansprüche, die andere an mich stellen. Die Welt, so wie sie nun mal ist. „Fleisch“ ist, was ich nicht ändern kann.

Ich kann die Welt nicht ändern. Aber ich muss mich ihren Zwängen und Versuchungen auch nicht vor die Füße werfen. Wenn „das Fleisch“ dein Leben bestimmt, sagt Paulus, dann bist du schon so gut wie tot. Christliches Leben, Leben als Christ bedeutet für ihn, ein Gefühl von Freiheit zu erfahren, das sich über alle Begrenzungen erhebt. Ein Gefühl, das sein innerster Antrieb ist, das ihm Kraft gibt.

Ein Gefühl von Freiheit – da kommen mir schon wieder (oder immer noch) Urlaubsbilder in den Sinn: Guter Urlaub bedeutet für die meisten von uns, sich irgendwie frei zu fühlen. Wenn auch nur für begrenzte Zeit. Mit dem Boot raus aufs Meer – um mich herum nur Sonne und Wasser. Oder mit den Skiern in den Bergen bei herrlichstem Sonnenschein. Auf den Gipfel des höchsten Berges – wo die Welt mit ihren Begrenzungen so lächerlich klein aussieht. Mit der Harley auf der Route 66 – immer geradeaus und nur den Wind im Gesicht. Gemeinsam ist solchen Erfahrungen, dass wir uns darin ganz weit entfernen von dem, was wir sollen und müssen. Freiheit ist Ungebundenheit.

Martin Luther in der Nachfolge des Apostel Paulus entwirft ein anderes Bild von Freiheit und siedelt es im Alltag an. Für ihn besteht Freiheit nicht in der Ungebundenheit, sondern in einer Beziehung – einer ganz bestimmten Beziehung. Diese Beziehung besteht zwischen Gott und uns, zwischen Gott uns mir. Zwischen Gottes Geist und unserem „Geist“. Oder, etwas freier ausgedrückt: Zwischen der Lebendigkeit Gottes und unserem inneren Leben, unserem Denken und Fühlen. Diese Beziehung ist geprägt durch ein kindliches Vertrauen. Und dieses Vertrauen macht Menschen wahrhaft frei. Weil das Gegenteil von Freiheit nicht Bindung ist, sondern Angst. Die Lebensangst ist es, die den Menschen wirklich knechtet. Die Angst, zu versagen, nicht zu genügen, das Leben irgendwie zu verpassen. Das was Paulus „das Fleisch“ nennt, führt uns in solche Angst und macht uns zu Angst getriebenen Menschen. Und die Angst ist der Tod im Kopf.

Wer vertrauen kann, ist dagegen wirklich frei. Wenn du weißt, dass es nichts gibt, was dich wertlos oder unwürdig macht. Wenn du weißt, dass du um jeden Preis und unter allen Umständen geliebt bist, dann bist du wirklich frei. Freier als auf dem Ozean und über den Gipfeln der Berge. Denn da bist du bloß allein. Der Geist Gottes schafft in uns ein Vertrauen, wie Kinder es zu einem liebevollen und geduldigen Vater haben. Gott, das ist nicht der gestrenge Vater, den gerade unsere evangelische Tradition oft in Gott gesehen hat – und den das protestantische Bürgertum durch den unnahbaren und Gehorsam fordernden Patriarchen glaubte abbilden zu können. Es ist vielmehr ein Vater wie im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“: sanft, verständnisvoll, großzügig – voll Sehnsucht und Hingabe für sein Kind. Ein Vater, zu dem man immer kommen kann. In dessen Armen die Freiheit nicht endet, sondern beginnt.
 
Allein diese bedingungslose Liebe Gottes und allein der Glaube an diesen bedingungslos liebenden Gott waren für Martin Luther Grund und Ursache für die "Freiheit eines Christenmenschen". Nichts und niemand kann irgendetwas an dieser Liebe Gottes zu mir ändern und nichts und niemand kann mich von dieser Liebe Gottes trennen. Gleichgültig was um mich herum passiert. Ob Friede ist oder Krieg. Ob Demokratie oder Diktatur. Ob Sturm oder Sonne. Gleichgültig was um mich herum geschieht, Gottes bedingungslose Liebe macht mich zu einem freien Menschen. Seine Liebe, die er uns auf einzigartige und einmalige Weise in Jesus Christus gezeigt hat. Die "Freiheit eines Christenmenschen" bedeutet damit eben gerade nicht, dass ich immer und überall Erfolg habe, im Mittelpunkt stehe oder es mir gut geht oder alles in meinem Leben gelingt. Denn auch als "freier Christenmensch" lebe ich in
Gottes Schöpfung, zu der eben auch all die Zwänge, Misserfolg, Scheitern, Hass, Gewalt, Krieg, Krankheit und Tod gehören. Alles das, was mir Angst macht, was mich unfrei werden lässt, was mir mein Vertrauen in das Leben und in den Gott des Lebens nimmt.
Ganz so wie wir es im Evangelium des heutigen Sonntags gehört haben:  22 Sofort danach drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen. Sie sollten an die andere Seite des Sees vorausfahren. Er selbst wollte inzwischen die Volksmenge verabschieden. 23 Nachdem er die Volksmenge verabschiedet hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch alleine dort. 24 Das Boot war schon weit vom Land entfernt. Die Wellen machten ihm schwer zu schaffen, denn der Wind blies direkt von vorn. 25 Um die vierte Nachtwache kam Jesus zu den Jüngern. Er lief über den See. 26 Als die Jünger ihn über den See laufen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. Sie riefen: »Das ist ein Gespenst!« Vor Angst schrien sie laut auf. 27 Aber sofort sagte Jesus zu ihnen: »Erschreckt nicht! Ich bin es. Ihr braucht keine Angst zu haben.« 28 Petrus antwortete Jesus:  »Herr, wenn du es bist, befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.«
29 Jesus sagte: »Komm!« Da stieg Petrus aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus. 30 Aber auf einmal merkte er, wie stark der Wind war und bekam Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Herr, rette mich!« 31 Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen und hielt ihn fest. Er sagte zu Petrus: »Du hast zu wenig Vertrauen. Warum hast du gezweifelt?«
32 Dann stiegen sie ins Boot – und der Wind legte sich. 33 Und die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder. Sie sagten: »Du bist wirklich der Sohn Gottes!«

Die "Freiheit eines Christenmenschen" heißt eben gerade nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will, sondern bringt eine Verantwortung mit sich. Die "Freiheit eines Christenmenschen" betrifft eben nicht nur den Sonntag oder den Urlaub. Die "Freiheit eines Christenmenschen" umfasst den ganzen Menschen und damit auch den Sonntag wie den Alltag, den Urlaub wie die Schule und das Arbeitsleben. Zur "Freiheit eines Christenmenschen" gehört untrennbar die Verantwortung für Gottes Schöpfung, gehört die Verantwortung, Gottes bedingungslose Liebe weiterzugeben und selbst zu leben. Und dadurch werde ich eben immer automatisch und ganz von allein zu einem "dienstbaren Knecht aller Dinge und jedermann untertan". Für andere da zu sein, anderen zu dienen, ist so eine Folge meiner "christlichen Freiheit".
Das hört sich für unsere modernen Ohren mehr als widersprüchlich an. Für den modernen Menschen scheint das nicht zusammenzupassen. Frei sein und zugleich Knecht sein. Frei sein heißt eben nicht: ich, ich, ich. Jedenfalls nicht im Sinne Martin Luthers und nicht im Sinne der Bibel. Frei sein heißt eben immer auch: Gott - du - ich. Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.
Gottes Wort schenkt uns die Freiheit, vorfindliche Traditionen und menschenfeindliche Machtstrukturen zu hinterfragen. Wir müssen uns mit Unrecht und Gewalt nicht abfinden.
Gottes Wort befreit uns von der Faszination und Verblendung unserer Sinne durch Reichtum, Ruhm und Macht. Wir können unsere Herzen, unsere Augen und unsere Hände gegenüber den Benachteiligten und Notleidenden öffnen. Gottes Wort schenkt uns die Freiheit, unser Vertrauen auch in Krisen durchzuhalten. Wir müssen uns unser Vertrauen nicht durch schlechte Erfahrungen, Missbrauch und Negativprognosen zerstören lassen. Gottes Wort befreit uns aus dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt. Gottes Wort schenkt uns die Freiheit, um der Liebe willen auch Verzicht zu leisten und persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.Denn Gottes Liebe macht uns fähig zu einer Freiheit, die darin sichtbar und spürbar wird, dass wir Gottes Gebot von der Nächstenliebe leben. Amen.

 

Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias, am 22.01.2017 über Matthäus 5,13-16

 

Liebe Teamer, liebe gewählten und berufenen Mitglieder des neuen KGR, liebe ausscheidende Mitglieder aus dem KGR, liebe Gemeinde,

das ist heute schon ein ganz besonderer und ein sehr gefüllter Gottesdienst. Ein Gottesdienst, in dem unsere Freude darüber spürbar und sichtbar werden soll, dass auch im letzten Jahr Jugendliche unserer Kirchengemeinde bereit waren, sich zu Teamern ausbilden zu lassen, um in Zukunft mitzumachen und sich einzumischen. Ein Gottesdienst, in dem unsere Freude deutlich werden soll darüber, dass sich neun Gemeindeglieder bereit erklärt haben, sich in den KGR wählen und berufen zu lassen. Aber auch ein Gottesdienst, in dem wir ganz deutlich Wehmut und auch etwas Trauer darüber spüren, dass ihr vier heute aus dem KGR verabschiedet werdet. Wie kann das angemessen in einer einzigen Predigt angesprochen und gewürdigt werden, ohne dass sie zu lang und langweilig wird? Bei der Vorbereitung auf diesen Gottesdienst bin ich auf folgende Geschichte gestoßen und habe nach kurzem Zögern und Überlegen gedacht. Vielleicht ist das genau das Richtige. Mal sehen.

 

Der Besuchsdienstkreis war in der Kirchengemeinde gerade neu gegründet worden. Frau Schneider, die junge Pastorin, hatte eine Reihe von Menschen persönlich angesprochen. Außerdem hatte sie in einer Anzeige im Gemeindebrief zu einem ersten Treffen eingeladen. Immerhin, 13 Personen waren es, die dann am ersten Abend im Gemeindehaus zusammengekommen waren. Zuerst einmal stellten die Männer und Frauen sich vor. Die Pastorin hatte zwei Spiele vorbereitet, damit die Einzelnen sich besser kennen lernen sollten. Dann gab es einen kleinen Imbiss, etwas zu trinken und ein paar belegte Brötchen, die eine Mitarbeiterin vorbereitet hatte.

Im zweiten Teil des Abends ging es dann um die Besuche. Die Pastorin erklärte zunächst einmal, was von den Besuchsdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeitern erwartet wurde. Sie hatte auch schon eine Liste vorbereitet, darauf waren die Namen der Gemeindeglieder, die besucht werden sollten. Nachdem sie die Einzelnen vorgestellt hatte, fragte sie, ob sich denn spontan schon jemand für die eine oder andere Person interessieren würde. Es ergab sich eine kleine Gesprächsrunde, einige stellten noch einmal Fragen – die Pastorin antwortete, so weit sie es konnte. Dabei betonte sie noch einmal, dass alles, was hier erzählt wurde, auch in diesem Raum bleiben musste!

Letztlich dauerte es gar nicht lang, dann hatten die meisten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich eine Person ausgesucht. Am Ende blieb eigentlich nur noch Frau Schmidt übrig, sie konnte sich für keine der Personen entscheiden, die noch auf der Liste standen. Schließlich machte die Pastorin ihr einen Vorschlag. „Frau Schmidt, ich glaube, die Frau Rosener würde ganz gut zu ihnen passen. Können Sie sich das vorstellen?“ – Frau Schmidt schluckte ein wenig. Frau Rosener, so hatte die Pastorin erzählt, war Anfang 80. Ihr Mann war schon lange krank – und mittlerweile gar nicht mehr ansprechbar. „Dement“, so hatte die Pastorin das genannt. Herr Rosener wurde von seiner Frau gepflegt, unterstützt durch die Gemeindeschwester, die morgens und abends vorbeikam. Frau Rosener wollte ihren Mann nicht in ein Pflegeheim geben, sondern ihn so lange wie möglich bei sich behalten. Doch das war gar nicht so leicht. Mit 76 Jahren war sie selbst nicht mehr die Jüngste. Die Arbeit machte ihr körperlich zu schaffen – und – so viel hatte Frau Schmidt immerhin herausgehört – auch seelisch ging es ihr nicht so gut. Die Kinder von Roseners wohnten weiter weg, der Sohn in Hamburg, die Tochter in Frankfurt. Frau Rosener brauchte einfach einmal einen Menschen, mit dem sie reden konnte. Bei dem sie loswerden konnte, was sie belastete. Der sie auf andere Gedanken brachte. – „Aber Frau Schneider“, so gab Frau Schmidt der Pastorin zur Antwort, „ich glaube, das kann ich nicht. Wissen Sie, wenn ich mir das so vorstelle, das Leid mit dem Herrn Rosener, wie soll ich mich da mit der Frau Rosener unterhalten, was soll ich ihr sagen? Ich glaube, das schaffe ich nicht.“ „Ach Frau Schmidt“, entgegnete die Pastorin, „versuchen Sie es doch einfach einmal. So wie ich Sie kennengelernt habe, glaube ich, dass sie das ganz gut können. Und ich glaube wirklich, die Frau Rosener, die wird gut zu ihnen passen.“ Frau Schmidt willigte schließlich ein.

Zwei Wochen später standen die Pastorin und Frau Schmidt vor dem Hochhaus, in dem die Roseners wohnten. Als die beiden dann im Fahrstuhl standen, merkte Frau Schmidt, wie aufgeregt sie war. Das Herz schlug ihr bis zum Halse. Das war ihr schon lange nicht mehr passiert. In ihrem Innern sprach sie lautlos ein Gebet. Schon hatte der Fahrstuhl den dritten Stock erreicht. Als Frau Schmidt und die Pastorin aus der Fahrstuhltür nach draußen traten, erwartete Frau Rosner sie bereits in der Tür ihrer Wohnung. „Ach schön, dass Sie da sind. Kommen Sie doch herein.“
Die beiden traten ein und setzten sich in das Wohnzimmer. Frau Rosener hatte einen Kaffee gekocht und ein wenig Gebäck auf den Tisch gestellt. Die Pastorin machte Frau Rosener und Frau Schmidt miteinander bekannt. Sie trank dann noch eine Tasse Kaffee mit – und ließ die beiden schließlich allein, sie hatte noch andere Termine. – Frau Schmidt und Frau Rosener unterhielten sich ganz angenehm. Nachher gingen die beiden auch zu Herrn Rosener. Er lag in einem besonderen Pflegebett und nahm die beiden scheinbar gar nicht wahr. Zu zweit setzten sie sich dann an sein Bett und Frau Rosener begann zu erzählen. Von früher, und was für ein hübscher Mann ihr Walter gewesen sei. Und so arbeitsam, er habe immer für sie und die Kinder gesorgt. Und nun diese Krankheit. Bei diesen Worten begann sie leise zu weinen. Frau Schmidt spürte den Kloß in ihrem Hals. Sie wusste gar nicht, was sie nun sagen sollte. Konnte man da überhaupt etwas sagen? Sie zögerte ein wenig, dann legte sie einfach die Hand von Frau Rosener in ihre Hände. So saßen sie dann eine Weile schweigend da. Frau Rosener ergriff dann wieder das Wort. „Es tut mir leid“, sagte sie, „aber manchmal überkommt es mich einfach so. Und da muss ich dann weinen.“ Es schien ihr unangenehm. „Aber jetzt sind wie so lange hier gewesen, unser Kaffee drüben ist bestimmt schon kalt geworden.“ So forderte sie Frau Schmidt auf, wieder ins Wohnzimmer zu gehen.
Die beiden unterhielten sich noch eine gute halbe Stunde, dann brach Frau Schmidt auf. „Es hat mir gut getan, dass Sie da gewesen sind“, sagte Frau Rosener zum Abschied. „Kommen Sie mal wieder bei uns vorbei?“ „Ja“, sagte Frau Schmidt, „ich rufe Sie an, dann machen wir etwas aus, ja?“ – So gingen sie dann auseinander.

Dieser Besuch hat Frau Schmidt noch lange beschäftigt. Und sie freute sich, dass schon eine Woche später das nächste Treffen des Besuchsdienstkreises statt fand. Die Pastorin hatte eine kleine Andacht für den Anfang vorbereitet. Sie las einen Abschnitt aus der Bibel, aus der Bergpredigt bei Matthäus.


"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

 

Als die Pastorin geendet hatte, machte sie eine kurze Murmelphase. So nannte sie das, wenn man einfach mit dem Nachbarn über den Bibeltext sprechen sollte. Dann fragte sie, welche Einfälle und Ideen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu diesen Worten Jesu gehabt hätten.

Eine Mitarbeiterin, die in der Gemeinde sehr engagiert war, sagte: „Wir haben uns überlegt, dass in diesen Worten gesagt wird, was wir machen sollen: wir sollen Salz sein und Licht, das ist unser Auftrag.“ – Ein Mitarbeiter meldete sich zu Wort: „Wir haben auch darüber gesprochen, aber uns ist aufgefallen, dass es heißt: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt – und nicht ‚ihr sollt sein’. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Unterschied.“ „Ja“, so setzte eine andere Mitarbeiterin an, „das ist eigentlich kein Auftrag, sondern mehr eine Beschreibung.“ – „Uns“, so steuerte nun auch Frau Schmidt bei, „uns ist aufgefallen, dass da gar keine Bedingungen gestellt werden.“ „Stimmt“, fuhr ein anderer fort, „da steht nicht: ihr seid das Salz der Erde, wenn ihr dieses oder jenes tut – sondern ganz einfach und ohne Vorbedingungen: Ihr seid das Salz der Erde, seid das Licht der Welt. Mensch, da wird uns richtig etwas zugetraut!“ – „Wenn man das so richtig liest, dann hängt das Zutrauen und das Tun ganz eng zusammen“, fuhr ein Mitarbeiter fort. – „Wie meinen Sie das jetzt?“ – „Na ja“, führte er aus, „das ist eben wie beim Salz und beim Licht. Das Salz salzt einfach – und das Licht leuchtet, das gehört einfach zum Salz und zum Licht mit dazu. Und ich glaube, das Jesus das auch so für die Menschen sagen will, die nach seinem Willen leben. Er traut ihnen etwas wichtiges zu, sie sind so wichtig wie das Salz in der Suppe und wie das Licht in der Finsternis. Und dass sie dann die Suppe salzen – und in der Finsternis leuchten, das ergibt sich fast wie von selbst.“

Frau Schmidt hatte die letzten Worte schon gar nicht mehr richtig gehört. Sie musste an ihren Besuch bei Frau Rosener denken. An die Gefühle, die sie an der Tür gehabt hatte – und wie sie sich anfangs gar nicht so recht getraut hatte, wegen dem, was sie dort bei Frau Rosener und ihrem Mann erwartete. Und das sie dann doch gegangen war, weil die Pastorin ihr Mut gemacht hatte – und gemeint hatte, dass sie bestimmt gut zu Frau Rosener passen würde. Und sie dachte an ihr Stossgebet im Fahrstuhl. Und an das schöne Gespräch mit Frau Rosener – und an ihre Hand, als sie geweint hatte – und an den Abschied. Und Frau Schmidt wurde ganz wohl um’s Herz: sie hatte das Gefühl, dass ihr diese Worte Jesu ganz nah gingen. Und das sie das dort erlebt hatte, Salz zu sein – und Licht.

 

Ich kann mir vorstellen, dass ihr, Ute, Heike, Hans-Jürgen und Niklas Frau Schmidt gut verstehen könnt. Irgendwann war die Mitarbeit für euch Neuland, ganz und gar fremd. Vielleicht wusstet ihr, Ute und Hans-Jürgen, im Januar 1997 bei eurer ersten Sitzung noch gar nicht richtig, was da auf euch zukommt. Das war am 26. Januar 1997. Die Sitzung leitete damals Karla Martens als Älteste. Am 19. Januar 2003 war es dann für dich soweit, Heike,
und für dich, Niklas, war es der 1. Oktober 2013. Ralf und Max sind inzwischen ja alte Hasen. Und Marianne ist auch schon einige Zeit dabei und du, Christine, kannst auf einige Erfahrungen verweisen, während Susanne, Gesche und Susan im Laufe der letzten Jahre die ersten Erfahrungen gesammelt habt. Und heute sind es Hinne und Janina, die ganz neu beginnen. So wie für euch, liebe Teamer . Für Janis, Leah, Merle, Ricada und Thede. Aber irgendwann war es für jede und jeden Neuland. Irgendwann ist es für jeden und jede  das erste Mal. So wie für Frau Schmidt. Aber bereits gilt das, was Jesus sagt: "Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt."

 

Ein klein wenig Salz. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war 1992, als wir das erste Mal unsere Partnerkirche in El Salvador besucht haben. Tortillas mit Bohnen war und ist die Hauptmahlzeit der Menschen dort. Mit viel Arbeit und viel Liebe hergestellt und uns serviert. Leider schmeckten mir die Tortillas nicht. Aber irgendwie musste ich die essen. Es gab ja sonst nichts anderes. Nun ja. Zum Besucherprogramm gehörte dann auch der Besuch einer großen Finca und auch dort gab es Tortillas. Aber dieses Mal wurde uns Salz angeboten. Ich streute  ein wenig Salz auf den Maisfladen, biß hinein und war völlig von den Socken. Mit einem Male schmeckten mir die Tortillas. Ein klein wenig Salz.


Ein klein wenig Licht. Ich kann mich noch gut daran erinnern als ich Kind war und irgendwann mein eigenes Zimmer bekam. Wie oft machte mir die Dunkelheit Angst. Wie oft habe ich meine Eltern gerufen. Und natürlich kamen sie zu mir nach oben, nahmen mich in den Arm trösteten mich und fragten, was ich denn habe. Ich erzählte in aller Ruhe und verlor meine Ängste und wenn sie das Zimmer verließen, ließen sie die Tür einen Spalt auf, so dass ein klein wenig Licht aus dem Flur in mein Zimmer schien und ich prima schlafen konnte. Ein klein wenig Licht.

 

Salz und Licht. Zwei Dinge, die wir unbedingt zum Leben brauchen. Zwei Dinge, die jede und jeder kennt. Selbstverständlichkeiten. Da muss nichts erklärt werden. Das spricht für sich selbst. Salz und Licht. An diesen ganz alltäglichen und selbstverständlichen Gegenständen macht Jesus deutlich, wie sehr Gott uns liebt und wie wichtig wir sind. Für ihn und für seine Schöpfung. Die Welt braucht uns, so wie sie Salz und Licht braucht. Gott braucht uns. Das sollen wir glauben, darauf sollen wir vertrauen, ohne arrogant oder hochnäsig zu werden, ohne zu glauben, dass wir etwas Besseres wären. Aber wir sind nun mal das Salz der Erde und wir sind das Licht der Welt. Und damit alles erdenklich Liebe und Gute für euch Ute, Heike, Hans-Jürgen und Niklas. Und damit herzlich Willkommen im KGR und herzlich Willkommen liebe Teamer. Amen.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Eddelak